Es ist in den letzten Jahren immer mehr in Mode gekommen, auch Händels Oratorien szenisch auf die Bühne zu bringen – als hätte er nicht genügend Opern geschrieben. Nun zählt "Theodora" zweifellos zu seinen schönsten Partituren, ist dabei aber ein extrem lyrisches und verhaltenes Moll-Werk, somit also nicht unbedingt ideal für eine szenische Präsentation. Hinzu kommt, dass dieses Oratorium so gut wie ohne äußere Handlung auskommt, was es selbst für einen intelligenten Regisseur wie Christof Loy zu einem harten Brocken macht. Die Lösung, die er für diese Produktion zur Eröffnung der Salzburger Festspiele im Händel-Jahr 2009 fand, ist in Anbetracht dieser Umstände durchaus beachtlich, doch stellt sich die damalige Live-Wirkung auf DVD nicht wieder ein, weil die von Loy in der Breite voll ausgenutzte Riesenbühne des Großen Festspielhauses von den Kameras nicht entsprechend einzufangen ist.
Die musikalische Bilanz der Aufführung fällt mit einer Ausnahme sehr positiv aus. Leider betrifft die Ausnahme ausgerechnet die Titelheldin Christine Schäfer, die mit ihrer reizlosen, sehnigen Stimme mit den reichlich vorhandenen tieferen Regionen der Partie zu kämpfen hat, als Darstellerin allerdings beeindruckend ausdrucksstark ist. An darstellerischer Intensität steht ihr Bejun Mehta als Didymus nicht nach, er liefert dazu aber auch eine vokale Leistung der Spitzenklasse ab. Mit Bernarda Fink und Joseph Kaiser sind zudem auch die übrigen Rollen hervorragend besetzt.
Ein großes Extralob verdienen die Mitglieder des Salzburger Bachchors, die nicht nur stimmschön, intonationssauber und differenziert singen, sondern auch die vielen ihnen vom Regisseur zugedachten individuellen Aktionen glaubwürdig umsetzen. Das Freiburger Barockorchester spielt, wie man es vom besten Historistenensemble erwartet – und garantiert damit erstklassige musikalische Rahmenbedingungen.

Michael Blümke, 24.09.2011



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