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Gaetano Donizetti

Lucia di Lammermoor

Natalie Dessay, Piotr Beczała, Vladislav Sulimsky, Ilya Bannik, Chor der Oper Zürich, Orchester der Oper Zürich, Valery Gergiev

Mariinsky/Note 1 MAR0512
(131 Min., 9/2010) 2 CDs, SACD

Wenn man eine Aufnahme wie die vorliegende auf den Schreibtisch bzw. in den CD-Spieler bekommt, fragt man sich schon, was für manche Verantwortliche wohl als Daseinsberechtigung einer Opern-Neueinspielung ausreicht. Will man den rund 50 Studio- und Live-Produktionen von Donizettis "Lucia di Lammermoor" eine weitere hinzufügen – und dafür vor allem Käufer finden! –, sollte man schon ein paar überzeugende Argumente anbieten können. Die aber sucht man bei dieser "Lucia" vergeblich.
Natalie Dessay liefert eine vokal weitgehend kunstvolle, allerdings auch höchst künstliche Titelheldin ab. Eine auch nur halbwegs glaubwürdige Figur gelingt ihr zu keinem Moment, ganz im Gegenteil. Sie langweilt von ihrem ersten Auftritt an, ist schon zu diesem Zeitpunkt, wo der Wahnsinn sie ja noch nicht umkrallt, völlig neben sich, wie dauersediert. Durch die Wahnsinnsszene muss man sich förmlich kämpfen, so wenig Interesse weckt Madame Dessay hier, so wenig bietet sie gestalterisch. Sie soll dem Wahnsinn verfallen sein, von emotionalem Scheintod ist im Libretto nirgends die Rede.
Auch ein ansonsten sehr guter, technisch versierter, geschmacksicherer Tenor kann mal einen nicht so guten Tag (oder ein paar davon) haben. Nur dumm, wenn das ausgerechnet während der Aufnahmen zu einer Oper geschieht, deren einziges vokales Glanzlicht er hätte werden können. Piotr Beczała hat schon häufig auf der Bühne bewiesen, dass er ein fantastischer Edgardo ist. Hier ist er in der Höhenexpansion mitunter befangen, unfrei, kann eine leichte Anstrengung nicht verleugnen. Und dennoch gebührt ihm unter den Beteiligten die Palme.
Als Lucias Bruder Enrico ist Vladislav Sulimsky mit seinem nicht sehr klangvollen, eher dumpfen und vor allem monochromen Gebrauchsbariton zu hören, der sich zudem in schnelleren, leicht verzierten Passagen nicht sonderlich wohlfühlt. Eine ungefestigte Stimme ohne Kern lässt Ilya Bannik als Raimondo vernehmen. Und da leider auch Valery Gergiev, der für gewöhnlich ja den Hans-Dampf-in-allen-Gassen gibt, völlig ausgebremst, saft- und kraftlos daherkommt, bleibt unterm Strich wirklich so gut wie nichts, was die Anschaffung dieser zwei SACDs rechtfertigen würde.

Michael Blümke, 17.09.2011



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