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Thomas Tomkins, John Bull, William Byrd, Thomas Tallis

Mr Tomkins – His Lessons Of Worthe

Bertrand Cuiller

MIRARE/harmonia mundi MIR 137
(58 Min., 10/2010)

Die Auswahl an Musik der englischen Virginalisten des 16. und 17. Jahrhunderts ist immens, und es fällt nicht leicht, aus der Menge an oft kurzen Stücken eine sinnvolle Zusammenstellung abzuleiten. Es war daher eine gute Idee von Bertrand Cuiller, sich bei der Wahl der Werke für die vorliegende CD von den Auswahlkriterien eines Zeitgenossen leiten zu lassen: Cuiller folgte einer Liste von 60 ausgewählten „Lektionen“, die Thomas Tomkins (1572-1656) in einem seiner Manuskripte niederschrieb und wählte aus diesen elf Kompositionen aus. Diese ordnete er, wie von Tomkins gefordert, nach Tonarten und unterstrich diese ungewöhnliche Gliederung noch mit der Wahl der drei Instrumente: dem Nachbau eines mit Tallis und Byrd verbundenen zeitgenössischen Instruments, einem Claviorganum (einer Kombination von Cembalo und Orgelpositiv, die besonders bei Variationen über langausgehaltene Choralmelodien sehr effektiv ist) und einem kleinen italienischen Cembalo. Der stilistische Bogen ist weit gespannt und reicht von Tomkins‘ reizender Übung über die C-Dur-Tonleiter für Anfänger über John Bulls chromatisch gewürzte Tanzkompositionen bis hin zu ausgedehnten Fantasien über liturgische Choralmelodien. Cuiller respektiert dabei den Sinn der Komponisten für streng geordnete Temporelationen, ohne ins Starre zu fallen: Sein Spiel, das gestochen scharf aufgenommen wurde, ist dabei von großer Klarheit, leiser Eleganz und einer inneren Belebtheit, die aus den Fingerspitzen kommt. Kurz: ein Hörvergnügen, das daran erinnert, dass dieses Repertoire nicht nur in dumpfen Kantorenstuben, sondern, wie das leider etwas anachronistische Cover zu Recht suggeriert, auch in der eleganten Welt des Hofes zu Hause war.

Carsten Niemann, 27.08.2011



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