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N° 1224
23. - 29.10.2021

nächste Aktualisierung
am 30.10.2021



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The Lost and Found

Gretchen Parlato

ObliqSound/Soulfood OSCD 113
(62 Min., 8/2010)

Was macht man, wenn die Durchbruchs-CD so ein großer Hit war? Gretchen Parlatos "In A Dream" eroberte schließlich nicht nur die Jahrescharts in den einschlägigen Publikationen, sondern war auch an der Ladentheke ein veritabler Erfolg.
Nun, am Anfang von "The Lost and Found" könnte einen kurz das Gefühl beschleichen, dass es sich Fräulein Parlato mit dem gewonnenen Publikum nur ja nicht verscherzen will. Da singt sie mit "Holding back the years" von Simply Red eine Nummer, die wohl jeder im kaufkräftigen Alter kennt. Aber wie sie das tut, mit ihrer typisch traumverhangenen Stimme über einen von Drummer Kendrick Scott extrem 'laid back' gespielten Schlagzeug-Groove à la Questlove – da muss man respektvoll feststellen, dass es sich hierbei um eine der besten 80er-Jahre-Pop-Adaptionen der vergangenen Zeit handelt.
Die Kombination aus HipHop-Drums, Fender Rhodes und Parlatos gehauchtem, dabei unglaublich timingstarkem Gesang soll man auf "The Lost and Found" öfter hören und dürfte sich dem Einfluss des Produzenten Robert Glasper verdanken. Dieses Prinzip funktioniert selbst bei dem Bill Evans/Miles Davis-Klassiker "Blue in green" vorzüglich. Der lauernden Gefahr, dass daraus eine kalkulierbare Masche wird, beugt Parlato aber vor. So verneigt sie sich im mysteriös schleichenden "Juju" gemeinsam mit dem Saxofonisten Dayna Stephens vor ihrem Entdecker Wayne Shorter, wagt einen Abstecher in Folk-Gefilde und liebäugelt immer wieder mit Bossa und Latin.
Egal, was sie aber auch tut: Es klingt immer alles ganz leicht und selbstverständlich. So wie bei den Herausragenden des Genres. Wenn Gretchen Parlato so weitermacht, gehört sie bald in eine Reihe mit den großen Erzählerinnen Billie Holiday, Nina Simone und Cassandra Wilson.

Josef Engels, 09.07.2011



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