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Gravity

Julian Wasserfuhr, Roman Wasserfuhr

Act/Edel 1095072ACT
(54 Min., 1/2011)

Vor fünf Jahren sorgten ein siebzehnjähriger Trompter und sein drei Jahre älterer Pianistenbruder für eine leise Sensation. Julian und Roman Wasserfuhr huldigten auf ihrem Plattendebüt dem tragischen Cool-Jazz-Heroen Chet Baker, verbanden damit Neue Innerlichkeit mit fragil lyrischer Retrospektive. Drei Jahre nahm der schwedische Starposaunist und Produzent Nils Landgren die beiden unter seine Fittiche, stellte ihnen eine Weltklasse-Rhythmusgruppe mit dem kongenialen Bassisten Lars Danielsson zur Seite und öffnete die introvertierte Wasserfuhr-Stilistik sanft unter Einbezug eines Gastsaxofonisten und seiner eigenen Mitwirkung.
Jetzt hat Deutschlands meist gefragter Schlagzeuger Wolfgang Haffner die Rolle des Mentors und Produzenten übernommen. Er sitzt selbst an Trommeln und Becken und für den Basspart hat er den bewährten Lars Danielsson verpflichtet. Die Musik ist wieder weitgehend Wasserfuhr pur, sieht man von einem Bert-Kaempfert- und einem Sting-Klassiker, einem lyrischen Titel des Bassisten und einem weiteren des Produzenten ab. Da gibt es viel weit ausschwingende Lyrik, fein arrangierte Melodik und durchaus auch in Ostinati und Pendelbewegungen schwelgende Harmonik. Dabei bedient sich Pianist und Arrangeur Roman diskret auch der Beimischungsmöglichkeiten von Celesta und Synthesizer. Auch der Bassist bringt gelegentlich Cello- und Gitarrenklänge unaufdringlich ins Sound-Design ein.
Das Sound-Design ist überhaupt eine Besonderheit dieser Produktion: Ecken und Kanten – soweit unvermeidlich – sind gerundet; die Trompete bzw. das Flügelhorn klingen nostalgisch mit warmem Hall nach, und selbst das Instrument des Produzenten, besonders der Klang seiner Becken, ist zurückgenommen, die natürliche Brillanz und bissige Attacke wattig gedämpft. Doch bei all dem klingt "Gravity" überhaupt nicht künstlich oder steril, entwickelt vielmehr einen emotional vitalen Sog wie ein spannendes Melodram. In diesem Geschehen ist Julian der Hauptakteur. Seine Linien klingen, als seien sie hochsensibler Ausdruck drängenden improvisatorischen Redeflusses. Wenn einem derart Schönes widerfährt, ist das allemal satte vier Notenpunkte wert.

Thomas Fitterling, 11.06.2011



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