"From Russia with music" lautet das CD-Debüt der Russischen Nationalphilharmonie unter ihrem Gründungsvater Vladimir Spivakov unter neuer Label-Flagge. Und mit Rimski-Korsakow, Tschaikowski und Rachmaninow setzt man auch gleich ganz auf die große russische Tradition. Vom Opern-Vielschreiber Rimski-Korsakow gibt es mit "Die drei Wunder" einen herrlich funkelnden und effektvollen Instrumentalsatz aus "Das Märchen vom Zaren Saltan". Tschaikowski wirft sich in seiner Fantasie-Ouvertüre dramatisch in das Gefühlsleben von Romeo und Julia. Und von Rachmaninow stehen neben drei eher selten zu hörenden Chorliedern seine "Sinfonischen Tänze" – von denen der erste Satz nicht erst seit seinen TV-Weihen in einer deutschen Wissenschaftsshow der berühmteste ist – auf dem Programm.
Auch wenn in der russischen Musikgeschichte irgendwie jeder mit jedem zusammenhängt, hätte sich dennoch ein dramaturgisch engmaschigeres Programm zusammenstellen lassen. Aber wie Spivakov und seine Musiker diese prachtvollen Orchesterstücke angehen, entpuppt sich nicht nur als eine sensationelle Hommage an die russische Instrumentationskunst. Glatt an die glorreichen Zeiten Georg Soltis und des Chicago Symphony Orchestras fühlt man sich erinnert, wenn das Orchester alle Register zieht, um die Energien und Farbschattierungen freizulegen. Brillant, klar und straff wirft man sich ins Geschehen – aber ohne jegliche Show-Attitüde. Und selbst bei den Umschwüngen und Ausbrüchen ist man immer noch im Agogischen nuanciert bei der Sache, um bloß nicht unter die Pathos-Räder zu kommen. Die nächste Aufnahme darf durchaus "From Russia With Music Vol. II" lauten. Und wenn sich solche strapazierten Allzeit-Hits wie der "Hummelflug" oder die "Polowetzer Tänze" darauf finden sollten – gerne, her damit!

Reinhard Lemelle, 28.05.2011



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