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Diverse

The Maltese Tenor

Joseph Calleja, L'Orchestre de la Suisse Romande, Marco Armiliato

Decca/Universal 478 2720
(66 Min., 8/2010)

2004 hat Decca sein Debütalbum veröffentlicht, zwei Jahre später gleich das nächste nachgeschoben. Dann wussten die Herrschaften in London offensichtlich nicht so recht, was sie mit Joseph Calleja weiter anfangen sollen und haben ihn für fünf Jahre auf einem Nebengleis abgestellt, sich erst einmal um die anderen 'Haustenöre' Juan Diego Flórez und Jonas Kaufmann gekümmert. Mit deren Aussehen kann der 33-jährige Malteser zwar nicht konkurrieren, stimmlich jedoch steckt er sie locker in die Tasche. Auch wenn Flórez über eine spektakuläre Höhe und eine bewundernswerte Geläufigkeit verfügt (und seine phantastischen Leistungen hier keineswegs abgewertet werden sollen) – der fünf Jahre jüngere Calleja ist ihm in puncto Wärme, Emotionalität und Geschmeidigkeit deutlich überlegen. Wobei ein solcher Vergleich eigentlich müßig ist, weil sich das Repertoire der beiden nur in wenigen Partien überschneidet und bald wohl überhaupt keine Berührungspunkte mehr aufweisen wird.
Was also die pure Schönheit der Stimme anbelangt, gebührt Joseph Calleja ohne jeden Zweifel die Tenor-Palme. Sein schlankes, schmelzreiches, strahlendes Organ ist in den letzten Jahren gereift, hat sich vom reinen 'tenore di grazia' seiner Anfänge hörbar weiterentwickelt, ohne die lyrischen Qualitäten, die Raffinesse der dynamischen Abstufungen und seine einzigartige Piano-Kunst einzubüßen. Calleja demonstriert gerade in den etwas dramatischeren Verdi-Partien (Gabriele "Simon Boccanegra", Rodolfo "Luisa Miller" oder Riccardo "Un ballo in maschera"), dass diese immer elegant und geschmackvoll à la Bergonzi zu singen sind, weil Dramatik nichts mit Kraft und Lautstärke zu tun hat. Ob mit Puccini ("La bohème", "Tosca" und "Manon Lescaut") oder französischen Opern ("Les contes d'Hoffmann", "Faust", "Manon", "Les pêcheurs de perles") – dieser Mann lässt die Ohren vor Wonne juchzen und jauchzen!

Michael Blümke, 27.05.2011



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