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Johann Sebastian Bach

Partiten Nr. 1-6

Irma Issakadze

Oehms/harmonia mundi OC 781
(149 Min., 3-5/2010) 2 CDs

Die Georgierin Irma Issakadze, Meisterschülerin von Vladimir Krainiev, bewältigt Bachs sechs Partiten auf einem herausragenden pianistischen Niveau, das aufnahmetechnisch ebenso herausragend eingefangen wurde. Wer das Beste dieser Kunst würdigen will, sollte vielleicht mit der vierten Partita beginnen, deren Ouvertüren-Pomp in einer manuellen Geschliffenheit gefasst wird, deren Glanz in die ganze bewegte Pracht dieses festlichen Werkes hineinstrahlt. Doch jenseits perlend akkurater Goldschmiede-Virtuosität warten Probleme. Drängt Bachs Musik zum hohen Pathos, in der Sinfonie der c-Moll-Partita oder der Toccata jener in e-Moll, wird das Spiel eigentümlich steifbeinig und befangen. Da schnurren die Septolengirlanden der großen Toccata rechenschieberhaft ausgezählt ab, und präludierender Elan und improvisatorischer Geist verflüchtigen sich. Je mehr die Pianistin spürt, dass tieferer Sinn Gestalt zu werden sucht, will sie ihn herbeiarbeiten. Ihr geradezu zwanghaft eingesetztes Kunstmittel wird ein stauendes Innehalten vor den Taktstrichen, ja oft vor jeder schweren Zählzeit – als wolle sie Bedeutung aus dem Text wringen. Diese allgegenwärtigen manierierten Stockungen werden mehr und mehr zur idée fixe und gewinnen eine würgende Macht über ihr Spiel, die irgendwann auch dem Hörer den Atem nimmt. Und wenn wir seltenen Momenten eines losrennenden Kontrollverlustes begegnen, so in der überhetzten Gigue der B-Dur-Partita oder dem Rondeaux der zweiten, sind das wohl Folgen einer plötzlichen Befreiung aus selbstgeschaffener Beklemmung. Vielleicht wollte die ernste, uneitle Interpretin zu viel. Mag diese Aufnahme durchwachsen sein, die glatte Kommerzgefälligkeit vieler Konkurrenten überragt sie allemal.

Matthias Kornemann, 21.05.2011



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