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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Live In Berlin 1975

Weather Report

Art of Groove/Indigo 953932
(41 Min., 11/1975) CD + DVD

Wenn zum 40. Geburtstag einer derart einflussreichen Formation wie Weather Report ein bislang unveröffentlichter Konzertmitschnitt herauskommt (und das mit ausdrücklicher Genehmigung der Zawinul-Erben), darf man durchaus gespannt sein. Allerdings verblüfft die Auswahl ein wenig. Denn der aus den Archiven des ZDF hervorgeholte Mitschnitt von den Berliner Jazztagen 1975 zeigt die Gruppe nicht auf der Höhe ihrer Gestaltungskraft, sondern deutlich im Umbruch.
Der ursprüngliche Bassist Miroslav Vitous hatte die Band verlassen, "weil er keinen Funk spielen konnte", wie Joe Zawinul sagte. Sein Nachfolger Alphonso Johnson, den man auf der vorliegenden Aufnahme mit verlässlichen, zum Teil rockig verzerrten Linien auf Bund- und E-Bass hören kann, war nur eine Zwischenlösung, bis Jaco Pastorius übernahm – und Weather Report zu jenem einmaligen, gleichberechtigt mit Melodien um sich werfenden Musikerzusammenschluss machte.
Dennoch bietet auch der Berlin-Mitschnitt Hervorragendes, das weit über das damals aufblühende Jazzrock-Tagesgeschäft herausragt. Die unermüdliche rhythmische Energie beispielsweise, mit der Drummer Chester Thompson und Percussionist Alex Acuňa das hyperaktive modale "Freezing fire" zum Glühen bringen. Und natürlich den unermüdlichen Erfindungsreichtum des Mannes mit den unzähligen Tasten, Knöpfen und Keyboard-Gerätschaften, an denen sich die Kameras des ZDF nicht satt sehen konnten. Anders als Wayne Shorter (dem man seine Unzufriedenheit deutlich ansehen kann) hat Zawinul einen hervorragenden Tag erwischt.
Und das hat dann tatsächlich Seltenheitswert: Im Übergang zwischen "Badia" und "Boogie Woogie Waltz" setzt sich Zawinul an den Flügel in der Berliner Philharmonie und spielt einige Minuten lang das Blaue vom Himmel. Für Fans der wahrscheinlich wichtigsten Jazzformation der vergangenen 40 Jahre ein besonderer Augenblick, den Meister der Synthesizer noch einmal au naturel zu hören.

Josef Engels, 07.05.2011



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