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Dedications

Michel Godard, Patrick Bebelaar

Intuition/Sunny Moon INT 34342
(53 Min., 4/2010)

Perfekt. Der Pianist Patrick Bebelaar und Michel Godard, Virtuose auf Tuba, Serpent und Elektrobass, reisen mit ihren zehn Duetten in eine Welt voll Harmonie und gegenseitigem Verständnis – und dies bei Stücken, in denen sich Improvisation und Planung die Waage halten. Aus einer Fülle von Projekten und Auftritten kennen sie sich in- und auswendig, und so können sie auf dem schmalsten Grat bestehen, den es im Jazz gibt: dem Duo. Es gibt nichts Gefährlicheres als diese intime Formation. Gnadenlos nähme der Hörer jedes Zögern, jeden Hauch von Unsicherheit, jedes Missverständnis, jedes Nebeneinander anstelle eines Miteinanders wahr – aber von alledem ist in den Aufnahmen nichts zu spüren. Bebelaars Lust, den Flügel sanft zu streicheln und wenig später ein überhartes Stakkato aus ihm zu hämmern, ergänzt die tönende Pracht von Godards Tuba. Sie führen mit ihren Instrumenten bezaubernde Zwiegespräche, bei denen sie sogar von Thelonious Monks "Round midnight" in das heitere "The lion sleeps tonight" übergehen können. Liebe und Humor vermittelt diese Musik ebenso wie die Fähigkeit zum Genuss. Insofern verwundert es nicht, dass Bebelaar das Stück "One for Vince" dem Sternekoch und Basstrompeter Vincent Klink widmet, mit dem er zudem häufig in literarisch-musikalischen Programmen auftritt. Der Freude an kulinarischen Genüssen entsprechen auch die Titel "Philtre" – ein Liebestrank mit aphrodisierender Wirkung – und "Archangelika", der Appetit und Verdauung anregende Engelwurz. Zur Küchenarbeit oder auch als Untermalung eines Abendessens taugt die Musik indessen kaum. Wohl aber zum konzentrierten und entspannten Hören, zum Sich-treiben-Lassen und zum Ein- und Mitfühlen. Denn in ihren Dialogen erzählen sich Bebelaar und Godard gar wundersame Geschichten, die bei jedem neuen Hören neue Assoziationen hervorrufen. Das vermögen nur wenige Platten!

Werner Stiefele, 07.05.2011



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