Die von nur einem Jahr Altersunterschied getrennten Brüder Johann Gottlieb und Carl Heinrich Graun waren einander im Leben eng verbunden: Beide waren Schüler der Dresdner Kreuzschule, beide wirkten ab 1735 für den Rest ihres Lebens am Hof des preußischen Kronprinzen und späteren Königs Friedrichs II., Johann Gottlieb als Konzertmeister, Carl Heinrich als Sänger, Vizekapellmeister und überaus erfolgreicher Opernkomponist. Doch nicht überall, wo Graun draufsteht, ist auch Graun drin; ihre außerordentliche Beliebtheit bei den Zeitgenossen führte dazu, dass mancher minder berühmte Komponist seine Musik mit ihrem Namen schmückte und erst durch heutige Musikforschung als Hochstapler entlarvt werden konnte. Die Werke dieser CD sind allerdings alle echt, wie Michael Schneider, Gründer der Cappella Academica Frankfurt, im Beiheft versichert, lediglich für ein Fagottkonzert kommt als Komponist auch Christoph Graupner in Frage, ein durchaus ebenbürtiger Kollege der Grauns.
Ein abwechslungsreicher Reigen konzertanter Musik, wie sie seinerzeit in ganz Deutschland beliebt war und in Blüte stand, macht das Programm aus: Einer einleitenden kurzen Sinfonie folgen ein Konzert für Violine und Viola, jenes eventuell aus Graupners Feder stammende Fagottkonzert, ein Konzert für Blockflöte und Violine und als Abschluss ein Flötenkonzert. Die Cappella Academica Frankfurt ist ein Zusammenschluss erfahrener Barockmusiker wie Michael Schneider, Karl Kaiser und Petra Müllejans – sie lehren überdies am Institut für Historische Interpretationspraxis der Frankfurter Musikhochschule. Ihr Spiel ist kraftvoll, farbenreich, rhetorisch ausgeprägt, lässt allerdings auch nicht den Charme vermissen, der zum Genuss dieser Musik unabdingbar dazugehört.

Detmar Huchting, 09.04.2011



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