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Vespers

Iro Haarla

ECM/Universal 274 3616
(61 Min., 2/2010)

Wer sagt denn, dass Musik immer einem festen Takt gehorchen muss und selbiger auch noch mit der ratternden Konstanz eines Motors durchgehalten werden muss? Man kann seine gliedernden Einheiten auch so verlängern, dass ihr langer Atem zwar spürbar ist, die Zuhörer aber Dank des langsamen Tempos überhaupt nicht mehr versucht sind, die einzelnen Schläge zu zählen. So gestaltet Iro Haarla die Kompositionen ihres Albums "Vespers". Bei diesem Verfahren entsteht der Eindruck, mehrere klangliche Schichten legten sich übereinander: der weiträumige Puls des Schlagzeugers Jon Christensen, die schwebenden Melodien des Trompeters Mathias Eick und des Saxophonisten Trygve Seim, die dunklen Akzente des Kontrabassisten Uffe Krokfors und der Saitenklang von Harfe oder Flügel der Bandleaderin. Die neun Stücke auf "Vespers" verzaubern durch den Kontrast zwischen dem Fluss übereinandergelegter Melodien und dem widerborstigen Puls von Bass und Schlagzeug, durch den Kontrast aus lange stehenden, im Hall verwehenden Tönen und scharfen Akzenten, aus hell und dunkel, aus hoch, tief, hart und weich. Dieser Eindruck unendlicher Weite bleibt sogar dann noch, wenn die Einheiten kürzer und überschaubarer werden. Jan Erik Kongshaug hat jedes Instrument klar und auf einem exakt definierten Punkt im Stereopanorama geortet eingefangen. Dadurch unterstreicht er den scheinbar über alle Zeiten erhabenen Charakter dieser Musik. Dieses Konzept der über allen Maßen schwebenden Musik, das Iro Haarla bereits früher mit Arrangements für die Band ihres Mannes, des Schlagzeugers Edvard Vesala, begonnen hatte, führt sie mit der eigenen Band zur Vollendung.

Werner Stiefele, 19.03.2011



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