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Richard Strauss

Eine Alpensinfonie, Salomes Tanz

City of Birmingham Symphony Orchestra, Andris Nelsons

Orfeo C 833111 A
(61 Min., 2010)

Für die Orchesterwerke von Richard Strauss scheint Andris Nelsons ein besonderes Faible zu besitzen: Die Einspielung der "Alpensinfonie" ist bereits die zweite Strauss-Aufnahme, die der neue Star der Maestro-Szene mit seinem britischen Orchester vorlegt. Mit einem Resultat, das beim ersten Hören irritiert. Wohl noch nie hat Strauss' Gipfelbesteigung so wenig nach Bergwelt geklungen wie hier. Dafür klingt das 1915 vollendete Opus bei Nelsons umso mehr nach Oper, vor allem nach den zeitlich benachbarten "Rosenkavalier" und der "Frau ohne Schatten" – schon im Crescendo vor dem Sonnenaufgang meint man eine Theatermaschinerie rumpeln und brausen zu hören, und selbst bei so prägnanten Stationen wie "Am Wasserfall" und "Auf der Alm" scheint Nelsons die lautmalerisch beschreibenden Elemente geradezu zu unterdrücken. Und auch beim trockenen Gerassel des Gewitters denkt man eher an den Theaterdonner des dritten "Rosenkavalier"-Aktes. Die "Alpensinfonie" als orchestraler Budenzauber, der seine Machart gar nicht verleugnet – eine originelle, überraschende Lesart ist das auf jeden Fall. Allerdings bleibt unüberhörbar, dass Nelsons' Engländer sich nicht mit den Top-Orchestern messen können, die das Feld dominieren – der Tuttiklang bleibt etwas stumpf, die Soli klingen oft unfrei. Für die Dreingabe, Salomes Tanz, gilt im Grunde dasselbe: Statt der orientalisierenden Oberflächenpolitur zu glauben, verortet Nelsons das Stück im Walzer-Wien der untergehenden k. u. k.-Zeit. Wir warten auf eine Wiederholung in Wien oder Berlin.

Jörg Königsdorf, 12.03.2011



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