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The Essence Of Silence

Chico Freeman, Fritz Pauer

O-Tone/Edel 1020662OTO
(92 Min., 3/2010) 2 CDs

Der afroamerikanische Saxophonist Chico Freeman und der österreichische Pianist Fritz Pauer kommen beide, jeder auf seine Weise, aus dem Zentrum des Jazzgeschehens. In den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts geboren, haben sie die Pioniere des modernen Jazz noch miterlebt und mit vielen von ihnen gespielt. Man darf nicht vergessen, dass Chico Freeman zu den herausragenden Saxophonisten seiner Generation gehört, die ihren John Coltrane verarbeitet und zu einem eigenen Personalstil gefunden haben. Bei wichtigen Aufnahmen von Elvin Jones, McCoy Tyner, Jack DeJohnette oder aber von Musikern der klassischen Chicagoer Avantgarde war er eine prägende Stimme. Immer noch beeindruckt seine strukturgebende, am Melodischen orientierte, nicht versiegen wollende Improvisationskraft. Fritz Pauer wiederum, der hier für den amerikanischen Gast mit seinem Trio für mehr als nur eine Rhythmusgruppe sorgt, hat unzähligen internationalen Größen in Wien als Begleiter gedient und sich dabei zu einem eigenständigen Pianisten und Komponisten entwickelt, der den modalen Angang eines McCoy Tyner mit der harmonischen Sophistication eines Thelonious Monk zu verbinden weiß. Gleich bei der ersten Begegnung mit dem Fritz Pauer Trio vor vier Jahren sei der Funke übergesprungen, schwärmt Freeman – und so wurden sie bis heute quasi zu einer 'working band', die ihr eigenes Repertoire pflegt. Das ist immerhin so umfangreich, dass auf dieser Produktion über neunzig Minuten eigene Musik zusammenkommen. Dass es dabei nie langweilig wird, will bei modernem Mainstream schon etwas heißen: Hier wird kraftvoll musiziert, ohne in Powerplay-Manierismen zu verfallen. Die Stücke, die überwiegend aus Freemans und Pauers Feder stammen, sind abwechslungsreich und von großer melodischer und struktureller Raffinesse – auch wenn vieles um das modale Eck herumkommt, gibt es immer wieder erfrischende harmonische Ausdeutungen. Dabei musizieren Bassist Johannes Strasser und Schlagzeuger Joris Dudli stets auf dem Punkt. Eine Produktion ist so entstanden, zu der man gratulieren darf.

Thomas Fitterling, 12.03.2011



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