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Wolfgang Amadeus Mozart

Steichquintett Nr. 6 KV 614, Streichquartett Nr. 19 KV 465 („Dissonanzen“)

Louise Williams, Lindsay-Quartett

ASV/Koch DCA 1069
(64 Min., 1/1997, 9/1998) 1 CD

Mozarts Streichquintett Es-Dur KV 614 ist weder unter Forschern noch beim Publikum sonderlich beliebt. Man wollte es nicht wahrhaben, dass sein letztes Kammermusikwerk, im April seines Sterbejahrs 1791 vollendet, nicht den schmerzlichen Tiefgang des g-Moll-Quintetts atmete. Ein Spätwerk, das so gar nicht die biografische Niedergangskurve nachzeichnet, verzeiht man Komponisten ungern.
Das Lindsay-Quartett hat dieses Quintett mit einer ungebremsten musikantischen Energie eingespielt. Bald nimmt man wahr, was wirklich spätstilhaft, neu und radikal ist am Quintett KV 614 - es ist die Schärfe und Knappheit, mit der Mozart sich nun ausdrückt, Knappheit ohne Bitternis. Die haydneske Derbheit, mit der Mozart seine Stilstrenge drapiert - besonders im fast parodierend polternden Scherzo - spielen die Lindsays mit einer energischen, fast frechen Straffheit aus. Man höre die unerhört kurze, dichte Durchführung: Was für eine Hochspannung halten die Interpreten hier! Geisterhaft zieht das Trillerthema durch die Molltonarten, doch seine unerhörte Spannung hält die erste Geige aufrecht, als stände sie unter Starkstrom. Versierte Quintettler wissen, dass dieses Stück schwieriger zu gestalten ist als die früheren Mozarts, und nicht nur sie werden diese zugleich musikantische und doch auch die Härten nicht glättende Vorstellung zu würdigen wissen.

Matthias Kornemann, 16.03.2000



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