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Dmitri Schostakowitsch

Sinfonie Nr. 10

Royal Liverpool Philharmonic, Vasily Petrenko

Naxos 8572461
(52 Min., 9/2009)

Und wäre nur dieses vierminütige Scherzo auf der Platte, man sollte sie sich nicht entgehen lassen. Denn was Vasily Petrenko hier in Schostakowitschs 10. Sinfonie an wütendem Furor entfacht, erlebt man nicht alle Tage. Nicht nur, aber vor allem in diesem zweiten Satz lässt sich die ganze wütende Verzweiflung des vom Zentralkommitee der KPdSU so hirnrissig bürgerlich-formalistisch und frivol gescholtenen, ins innere Exil (und in die äußere Armut) getriebenen Komponisten nacherleben – wenn sie denn so schonungslos brutal zu Gehör gebracht wird wie in Liverpool. Im furiosen Teufelsmarsch von 1953 wollte Schostakowitsch offenbar den im selben Jahr verstorbenen Stalin porträtieren. Und diesem Fanal sein eigenes Porträt entgegensetzen als Viertonmotiv 'd-(e)s-c-h' im folgenden Walzer-Allegretto und Finalsatz. Auch wenn man da vielleicht zu viel Autobiographisches oder Politisch-Programmatisches hineingeheimnist (immerhin sind die Tschaikowsky- und Mussorgsky-Zitate, insbesondere des Mönchs aus "Boris Godunow", der verkündet, dass "Russland nun zum Herrscher sich einen Mörder erkor", auch rein innermusikalische Verbeugungen vor der Tradition); und naturgemäß kann auch Petrenko Schostakowitschs "Rätsel-Sinfonie" nicht 'entschlüsseln'. Aber die Intensität, mit der seine Liverpooler Philharmoniker die Klagegesänge des riesigen Eröffnungssatzes anstimmen, und die unerbittliche Schärfe, in der sie dessen (Godunowschen) Wahnsinns-Episoden kontrapunktisch messerscharf aufheulen lassen: Diese Meriten Petrenkos vermitteln allemal genügend vom zerschundenen Innenleben Schostakowitschs. Und sie machen Karajans und Kondrashins Referenz Konkurrenz. Was wahrlich viel bedeutet.

Christoph Braun, 05.02.2011



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