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The Great Summit - Complete Sessions

Louis Armstrong, Duke Ellington

Roulette Jazz/EMI 7 24352 45462 4
(125 Min., 4/1961) 2 CDs

Wenn das kein Ereignis ist - die großen Hundertjährigen des vergangenen und des kommenden Jahres für zwei Tage im Studio vereint! Ich habe mir erlaubt, vor dem Abhören der beiden CDs dieses "Gipfeltreffens", wie es die Herausgeber getauft haben, die einschlägige Literatur zu konsultieren: Ihr einhelliger Tenor ist zurückhaltend bis negativ, die "verpasste Gelegenheit" - nämlich, Louis mit dem Ellington-Orchester aufzunehmen - wird bejammert, doch säuerlich eingeräumt, diese einzige dokumentierte Begegnung sei "immer noch besser, als wenn sie sich gar nie getroffen hätten".
Die klingenden Tatsachen jedoch, die wir der Geistesgegenwart des Produzenten Bob Thiele verdanken, strafen alle Beckmesser Lügen: Was wir hier vor uns haben, ist nichts weniger als die nach Jazzmaßstäben letzte wirklich bedeutende Aufnahme Armstrongs und zugleich ein deutlicher Verweis auf den Klavierstilisten Ellington, der einem Monk in nichts nachstand - was er im folgenden Jahr auf "Money Jungle" eindeutig klarstellen sollte.
Die ursprünglich separat veröffentlichten Alben "Recording Together For The First Time" und "The Great Reunion" (deren siebzehn Titel auf der ersten CD zusammengefasst wurden) bilden gewissermaßen die Schlusssteine von Satchmos mit W.C. Handy und Fats Waller begonnener Serie von Auslegungen großer Jazzkomponisten. Ellington war selbst davon überrascht, wie blitzschnell Louis die ihm vorgelegten Stücke erfasste, von denen er wohl ein Dutzend zuvor weder gespielt noch gesungen hatte.
Diese Sonderausgabe der All-Stars blättert natürlich die beliebtesten Seiten des Ellington-Songbooks auf - die man so aber noch nie gehört hat: Der unbestritten größte Trompeter seiner Zeit verleiht den Melodien Ellington nochmals zusätzliche Klasse, und durch Satchmos vokale Interpretationskunst glaubte ich manche der Texte zum erstenmal zu hören. Ins Schleudern gerät er nur bei den abstrus geschraubten, fast unsingbaren Zeilen ("such magnificent regalia") über die wunderschöne Blume "Azalea" - aber die Musik dieser Rarität war schließlich alle Anstrengung wert.
Ellington tut in typischem Understatement eigentlich nichts weiter, als auf dem Klavierstuhl Billy Kyles Platz zu nehmen, aber seine Präsenz ist durchweg spürbar. Einige Kritik haben die anderen Musiker dieser Session einstecken müssen, aber wer würde neben diesen Giganten nicht alt aussehen? So gesehen, ziehen sich Trummy Young und Barney Bigard, der als einziger langjährige Erfahrung mit beiden Bandleadern vorzuweisen hatte, ziemlich elegant aus der Affäre. Auch an Mort Herbert (b) und dem Hawaiianer Danny Barcelona (dr), als deren beste Aufnahmen diese gelten, gibt es nach meinem Empfinden nicht das Geringste zu mäkeln.
Der Klang der CDs begeistert: Die Neuabmischung der originalen Dreispurbänder hätte nicht räumlicher und luftiger ausfallen können. Mein einziger Einwand gegen diese Ausgabe: Die zweite CD "The Making Of ..." werde ich mir wahrscheinlich nie wieder anhören. Da die Track-Markierungen ungeschickt plaziert wurden, muss man sich durch minutenlanges Gerede und mehrere Fehlstarts hindurchquälen, um zu den immerhin neun kompletten Alternativfassungen vorzustoßen.

Mátyás Kiss, 12.10.2000



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