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Ambassador Satch

Louis Armstrong

Columbia Legacy/Sony 5 099706 492627
(54 Min., 10/1955, 12/1955, 1/1956) 1 CD

Immer wenn der Name "Columbia" draufsteht, ist eine gewisse Vorsicht geboten: Die Firma nahm es mit der Wahrheit selten allzu genau. Wenn das Cover demnach "European Concert Recordings by Ambassador Satch" anpreist, stammen die Aufnahmen entweder nicht aus Europa, oder sie entstanden gleich im Studio. Wie die heutigen Herausgeber einräumen, trifft beides zumindest auf drei Titel der Originalplatte zu: Sie wurden passenderweise in Hollywood nachgestellt.
Dem musikalischen Vergnügen tut all dies natürlich nicht den geringsten Abbruch - wir wollen annehmen, dass die Nachbesserungen allein aus technischen Gründen erfolgten. Denn die authentischen Titel vermitteln von den Bühnen Mailands und Kopenhagens herab eine solche Spielfreude und aus dem Zuschauerraum einen solchen Enthusiasmus, dass Amerika sich keine besseren Botschafter für die Sache des Jazz (denn wofür sonst sollte Satchmo einstehen?) hätte wünschen können als die Mitglieder des Armstrong-Sextetts, die bei dieser Gelegenheit, soweit es die Eifersucht ihres Chefs zuließ, auch als Solisten vorgestellt wurden.
Der in einem Affenzahn durchgehechelte "Tiger Rag" brachte vormals die zweite Plattenseite zu einem furiosen Abschluss. Die hinzugefügten Versionen von "Clarinet Marmalade" (einer hübschen Tour de force für den wunderbaren Edmond Hall) und vor allem Satchmos eigenem "Someday You'll Be Sorry" bilden eine willkommene Zugabe und sind ein echter Gewinn für die nicht eben schmale Armstrong-Diskografie.
Die Auswahl der Stücke war offenbar darauf angelegt, keine Titel von den Handy- und Waller-Tributalben zu wiederholen; trotzdem muss das Repertoire (aus dem zeitlichen Umfeld der Original Dixieland Jazz Band) auch für damalige Verhältnisse arg historisch gewirkt haben. Aber was macht das schon, wo doch Armstrong einen Gutteil eben dieser Historie selbst geschrieben hat?

Mátyás Kiss, 24.08.2000



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