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Diverse

Virtuoso Violin Pieces

Charlie Siem

Warner/Warner 2564 67804-7
(48 Min., 7/2010)

Der junge Mann hat etwas an sich, was ihn abhebt. Charlie Siem, Jahrgang 1986, spielt mit so viel Lust, Witz und Farbenpracht, dass man sich an dem überwiegend aus zugabentauglichen Stücken bestehenden Album gar nicht satthören kann. Der junge Brite verfügt über ein enormes musikdramatisches Gespür, das ihm nicht nur eine großräumige Gliederung erlaubt, sondern auch mit feinsten Nuancen in jeder einzelnen Bewegung kleine Geschichten von Drängen und Zurückhaltung, Locken und Abwenden, Schmeicheln und Abwehren erzählt. Bestens von der Pianistin Caroline Jaya-Ratnam unterstützt, entführt er in eine Welt voll überraschender Wendungen, wobei er völlig vergessen lässt, welch virtuose Instrumentenbeherrschung eigentlich Voraussetzung für die so herrlich spielerisch daherkommenden Interpretationen ist. Sei es die von Fritz Kreisler arrangierte "Caprice in a-Moll" von Henryk Wieniawski oder Pablo de Sarasates "Zigeunerweisen", Kreislers "Viennese Rhapsodic Fantasietta" oder Franz Waxmans "Carmen Fantasie": Stets schaffen Siem und Partnerin das Kunststück, Spiellust und technische Brillanz mit einem Schuss von Humor und Dramatik zu würzen. Selbstverständlich dürfen in solch einem Schmankerln-Programm auch die Paganini-Capricen nicht fehlen – Siem brilliert mit der ersten und fünften sowie Paganinis Einleitung und Variationen über Paisiellos "Nel cor più non mi sento". 24 Jahre ist der am Geigerhorizont aufsteigende Star nun gerade alt. Mal abwarten, wie er dasselbe Repertoire in zwanzig Jahren spielen wird, wenn sich noch Lebensweisheit und abgeklärte Erfahrung zur Brillanz gesellen. Was nichts daran ändert, dass man schon jetzt die stürmerische und drängerische, sehr extrovertierte Disc immer wieder mit Freude hören kann.

Werner Stiefele, 15.01.2011



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