Auf einen Segeltörn nimmt uns La Gruberová auf ihrer neuen Einspielung mit. Und wie es bei solchen Unternehmungen nun einmal ist, wird einem dabei gerne schwindelig, oft auch übel. Man spürt keinen sicheren Boden unter den Füßen und ist dem Schaukeln hilflos ausgeliefert. Ganz so wie der Hörer dieser "Lucrezia Borgia" der Stimme Edita Gruberovás, die kontinuierlich durch die Töne segelt anstatt sie sauber anzusteuern. (Worin es ihr übrigens ihr herzöglicher Gemahl alias Franco Vassallo gleichtut.) Unabhängig davon klingt die Sopranistin den ganzen Abend hindurch – es handelt sich um den Mitschnitt von zwei konzertanten Aufführungen in der Kölner Philharmonie im Juni 2010 – derart zögerlich und unsicher, dass man sich fragt, weshalb sie die Oper auch noch mit einem peinvoll erzwungenen Spitzenton beenden muss. Wer Gruberovas Foto auf dem Cover schon gruselig findet, sollte sich erst einmal die Aufnahme anhören. In dieser Verfassung kann man der Sängerin nur dringend raten, den anstehenden 65. Geburtstag zum Rückzug zu nutzen – zumindest aus diesem Repertoire. Da ein solider Tenor (José Bros) und eine gute Mezzosopranistin (Silvia Tro Santafè, die an Agnes Baltsa vor 30 Jahren erinnert) da nichts mehr rausreißen können, sollte man diesen Mitschnitt bestenfalls als Geschenk für Lieblingsfeinde in Erwägung ziehen.

Michael Blümke, 18.12.2010



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