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N° 1289
21. - 27.01.2023

nächste Aktualisierung
am 28.01.2023



Längst wird Jane Eaglen als neuer Star unter den hochdramatischen Stimmen gefeiert, glänzte an den großen Häusern als Isolde, Brünnhilde und Turandot. Hier ist sie in Arien aus Opern von Strauss und Mozart zu hören. In der äußerst überzeugenden Finalszene aus “Salome” hören wir eine Riesenstimme von enormer Strahlkraft, voluminös bis in die tieferen Register, die man beinahe schon mit der Borkh oder der Nilsson vergleichen darf.
Bei Mozart hingegen, in der Arie der Donna Anna aus dem “Don Giovanni”, fehlt doch ein wenig Wärme und ein gewisses psychologisches Raffinement, wobei das durchaus noch eine Geschmacksfrage ist. Auch über die Nilsson als Mozartsängerin darf man geteilter Meinung sein.
Keine Geschmacksfrage dann allerdings, dass die Koloraturen gepresst klingen, schwerfällig und nicht sauber intoniert. Da wirkt die Stimme der Eaglen zu schwer. Die statuarisch-feierlichen Opera-Seria-Arien aus “Idomeneo” und “Lucio Silla” geraten besser, wenn auch einseitig brillant-glänzend; die charakterliche Vielschichtigkeit, die diese Opern von den Sängern verlangen, ist nicht überzeugend eingelöst.
Doch in der Musik von Richard Strauss, besonders in der Arie der Ariadne, findet sie zu einem innigen, dunkel-samtigen Timbre; so kann sie beweisen, dass ihr auch die lyrischen Nuancen liegen. Wir begegnen hier ohne Zweifel einer großen Sängerin.

Matthias Kornemann, 31.03.1998



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