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For The Love Of Ornette

Jamaaladeen Tacuma, Tony Kofi, Ornette Coleman u.a.

Jazz Werkstatt (Records) 090
(52 Min., 6/2010)

Mit neunzehn Jahren ging der Elektrobassist Jamaaladeen Tacuma beim damals 45-jährigen Saxofonisten Ornette Coleman in die Lehre. Diese Jahre haben ihn so sehr geprägt, dass er 35 Jahre später – zum 80. Geburtstag seines Entdeckers – die Session "For the Love of Ornette" organisierte – selbstverständlich mit dem Geehrten und mit einer Reminiszenz an jene Musik, die vom Ausgang der 1970er über ein Jahrzehnt lang als "No Wave" oder "Free Funk" die eine Publikumsfraktion begeisterte und die andere verstörte. Dabei ist alles ganz einfach: Es geht um nichts anderes als Melodien, Harmonien und Rhythmen. Die allerdings überlagern sich in Ornette Colemans harmolodischem Konzept manchmal so dicht, dass jeder, der nicht an den einzelnen Instrumenten entlanghört, das Schichtengebirge nur noch als Chaos empfindet. Doch das souveräne Schlagzeug-Bass-Gespann aus Justin Faulkner und Tacuma zieht auch diesen Passagen eine Orientierungslinie ein. Mit dem viersätzigen "For the Love of Ornette" hat Tacuma eine Gedankenlinie entworfen, und mit dem ebenfalls vierteiligen "Tacuma Song" eine zweite. In der Dankeserklärung für Ornettes Liebe tauchen Varianten von dessen "Theme from a Symphony" und anderen Themen des Geehrten auf, wobei der dritte Satz, der "Fortworth Funky Stomp" voll Energie über ein knappes Bass-Ostinato rast. Da kommen Erinnerungen an das Drehwurm-Album "Dancing in Your Head" auf, in dem ebenfalls das Symphony-Thema im Zentrum steht. Ein "breath of fresh air" sei Ornette Colemans Musik, heißt es im Eingangs-Rap, und dies gilt auch noch vierzig Jahre, nachdem Coleman mit dem Album "Free Jazz" die Jazzwelt durcheinanderwirbelte. Coleman nahm an der Session vom 21. Juni 2010 teil, griff aber nur bei einem Teil der Nummern aktiv ins Geschehen ein. Dennoch musizieren Tacuma, der Tenorsaxofonist Tony Kofi, der Pianist Yoichi Uzeki, der Schlagzeuger Justin Faulkner und Wolfgang Puschnig mit der Flöte und dem koreanischen Oboen-Verwandten Hojak sowie der Digital-Schlagzeuger David "Fingers" Haynes vom ersten bis zum letzten Ton entsprechend Colemans harmolodischem Konzept.

Werner Stiefele, 11.12.2010



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