Mit großer Spannung war die Premiere des Dresdner "Rigoletto" im Juni 2008 erwartet worden: Die Besetzung der Hauptpartien mit dem Bariton Željko Lučić als Hofnarr, Diana Damrau als selbstlos liebende Tochter und Juan Diego Flórez als Herzog von Mantua ließ eine Modellaufführung erhoffen, deren risikofreien Ablauf Staatskapellen-Chef Fabio Luisi und Regisseur Nikolaus Lehnhoff garantieren sollten. Das Ergebnis enttäuschte schon bei der Premiere etwas – ein Eindruck, den auch die DVD trotz aufmerksamer Bildregie leider nicht korrigieren kann. Dass er sich mit dem Herzog trotz etlicher schöner Passagen letztlich doch in der Gewichtsklasse geirrt hatte, sah Flórez selbst schon bald nach der Premiere ein und verkündete seinen Rückzug von der Partie – mag sein, dass das vokale Unsicherheitsgefühl dafür verantwortlich ist, dass der Peruaner als Darsteller hier reichlich hölzern wirkt. Lučić dagegen hat zwar die nötige Mischung aus Samt und Furor in seinem Bariton (wenn auch einen etwas kurzen Atem im gefürchteten "Veglia, o donna"), zeigt aber neben gutem Willen auch viel augenrollendes Opernklischee. Unter diesen Umständen geht die Krone eindeutig an Diana Damrau, die ihre Gilda nicht nur mit sicheren Spitzentönen und lyrischem Schmelz singt, sondern auch eine empfindsame Figur formt. Dazu setzt Luisi im Graben auf schwerfällig-stumpfen Verdi-Sound, während Lehnhoffs erste Verdi-Regie nicht die Frische seiner Puccini-Deutungen erreicht, sondern sich in sorgfältigem Handwerk in ästhetisch angestaubter Kulisse erschöpft.

Jörg Königsdorf, 20.11.2010



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