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Henri Vieuxtemps, Rebecca Clarke, Johannes Brahms

Sonaten für Viola und Klavier

Tabea Zimmermann, Kirill Gerstein

Myrios Classics/harmonia mundi MYR 004
(66 Min., 4/2010)

Die Konkurrenz ist größer geworden, junge Kollegen und Schüler wie Nils Mönkemeyer und Antoine Tamestit haben viel Aufmerksamkeit erhalten. Tabea Zimmermann darf sich darüber freuen: Das ja immer etwas matte Prestige der Bratsche hat kaum jemand in der jüngeren Vergangenheit so aufpoliert wie sie. Vor allem hat Zimmermann es nicht für nötig gehalten, die maue Repertoirelage mit der Propagierung von Halbseidenem zu kompensieren. Auch das neue CD-Recital hat Hand und Fuß. Ausgewählt hat Tabea Zimmermann drei Werke, die der Romantik in ihren letzten Zügen sehr unterschiedliche Facetten abgewinnen: die in Form wie Gestus noch an Beethoven und der Wiener Klassik orientierte Sonate des Belgiers Henri Vieuxtemps, die wiederum sehr französisch klingende, zwischen Franck und Ravel oszillierende Sonate der weithin unbekannten Anglo-Amerikanerin Rebecca Clarke und schließlich mit der Sonate Opus 120 Nummer 2 eine der letzten Kompositionen von Johannes Brahms.
Prägend für die drei Aufnahmen ist Zimmermanns präzise, doch klanglich weit ausladende Artikulation, die vom Säuseln, ja Nuscheln über ein schönes Sotto voce und Parlando bis zu emphatischen Ausbrüchen reicht und die Musik in jedem Fall davor bewahrt, auch nur ansatzweise lapidar zu klingen. Der Russe Kirill Gerstein ist ein aufmerksamer, aber eher nüchterner Begleiter durch dieses Programm, der die letzte Feinarbeit aus Vorsicht oder Rücksicht seiner Kollegin überlässt. In der rhythmischen Phrasierung böte sich mehr Gestaltungsraum, da ist Gerstein als Pianist gewissermaßen in der Bringschuld. Brahms vor allem könnte freier fließen, könnte eine Prise jener Lässigkeit vertragen, die das so verknappte Spätwerk erst richtig aus der Reserve lockt. Ansonsten: eine musikalisch deutliche Aufnahme ohne Fehl und Tadel.

Raoul Mörchen, 06.11.2010



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