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Mechanism

Florian Ross

Pirouet/Edel 1018049 POU
(56 Min., 12/2009)

"Mechanism" ist ein etwas verwegener Titel für eine Klavier-Solo-CD, suggeriert er doch eine Eigenschaft, die ganz und gar dem widerspricht, was gemeinhin als Musikalität verstanden wird – im Jazz ebenso wie im sogenannten E-Bereich. Doch der Kölner Pianist, Komponist und Hochschuldozent Florian Ross weiß genau, was er hier tut. Schon immer hat er Komponisten bewundert, die so für mechanische Klaviere Musik zu schreiben verstanden, dass Präzision Intensität generierte. Außerdem ist Ross nicht nur Pianist, sondern ein weltweit gesuchter Orchestrator. Mit der modernen Loop-Technik ist es möglich geworden, sich selber – anders als noch zu den guten alten Overdubbing-Zeiten – ad hoc als quasi mitimprovisierenden Partner in den spontanen Vortrag einzubeziehen und so gleichzeitig Solist und Instant Orchestrator zu sein, also gewissermaßen das klassische Prozedere der mechanischen Klaviere in eine adäquate Jazzpraxis zu transformieren. Es ist faszinierend, wie Ross siebzehn Miniaturen, darunter ein Coltrane-Standard und ein mit Bill Evans assoziierter, als abwechslungsreiche, sehr intim und warm klingende, kleine Klavier-Präziosen gestaltet. Der Einsatz der Loop-Technik auf acht Titeln ist dabei nur im Titelstück direkt ohrenfällig, da hier spielerisch mit verfremdeten Sounds gespielt wird, ansonsten dient sie genau und ausschließlich der Erweiterung der orchestralen und kompositorischen Dimension von Ross’ pianistischem Ansatz. Da klingt viel Bill Evans an; aber Ross ist ein Musiker von heute und aus Europa; statt Evans’sche Hypersensibilität artikuliert sich bei ihm eine zwar scheue, aber deutlich geerdete Lebensfreude und ein durchaus hintersinniger Humor. Der blitzt nicht nur im Titelstück auf, sondern auch in dem launigen "Catflap", wo gegen Ende plötzlich manche Töne rückwärts purzeln. Überhaupt ist diese Musik hochintelligent und geht trotzdem unmittelbar zu Herzen. Und so ist dieser Einstand des Pianisten Florian Ross als Solo-Künstler weit mehr als nur gelungen.

Thomas Fitterling, 30.10.2010



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