„Rameau ist, ob man dies nun wahrhaben will oder nicht, eines der sichersten Fundamente der Musik.“ 1912 war es Claude Debussy, der einmal mehr für seinen Komponistenkollegen und Landsmann Jean-Philippe Rameau eine Bresche schlug. Während Rameau natürlich längst wieder in Frankreich boomt, fristen seine Tragédies lyriques sowie Ballettopern und Pastoralen auf deutschen Bühnen immer noch ein trauriges Dasein. Umso hellhöriger wurde man, als die Düsseldorfer Rheinoper jüngst ein Spätwerk als szenische Deutsche Erstaufführung auf die Bretter brachte. 1760 wurde "Les Paladins" von dem damals immerhin schon 77-jährigen Rameau in Paris uraufgeführt. Der Erfolg war wohl mäßig, auch angesichts des neuen Windes, für den eine italienische Buffo-Truppe in Paris gesorgt hatte.
Obwohl „Les Paladins“ so ganz ohne all die traditionellen Götter- und Mythenspiele auskommt und stattdessen eine irdische Story um einen verschmähten Liebestollen mit Komik und viel Tanz auskleidet, steckt in den rund zwei Stunden Musik bester, ewig junger Rameau. Für die jetzt als Live-Mitschnitt veröffentlichte Ausgrabung hatte man sich mit Konrad Junghänel einen Alte Musik-Spezialisten ans Pult geholt, der französischem Repertoire bislang eher aus dem Weg gegangen ist. Doch mit der Neuen Düsseldorfer Hofmusik kommt er der French Connection um Minkowski & Co. recht nahe, was fein ausgeleuchtete Grazie und satten Drive angeht. Und auch das Sängerensemble ist für alle Barock-Gourmets ein Ohrenschmaus. Angefangen vom Bass-Bariton Adrian Sâmpetrean als eifersüchtiger Anselme (reichlich Schwarzpulver in der Kehle) bis zu Anna Virovlansky, die gleich zu Beginn als sehnsüchtige Argie deutlich macht, warum "Triste séjour" eine der ergreifendsten Arien der Operngeschichte ist. Sollte das Rameau-Fieber etwa endlich Deutschland erreicht haben?

Guido Fischer, 16.10.2010



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