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Message From Mars

Echoes Of Swing

Echoes Of Swing Produktion (Media-Arte) EOSP 4506 2
(59 Min., 2/2010)

Ob auf dem Mars Swingmusiker wohnen, sei dahingestellt. Richtig ist, dass den Echoes Of Swing eine himmlisch schöne Retro-Platte gelang – aber wen wundert das? Immerhin zählen der Trompeter Colin T. Dawson, der Altsaxofonist Chris Hopkins, der Pianist Bernd Lhotzky und der Schlagzeuger Oliver Mewes zu den profiliertesten Musikern des Genres. Sie haben ihre Klassiker studiert und persönliche Konsequenzen für sich gezogen. So hat die Trompete mal armstrongisch schmetternde Kraft, mal ellingtonische Klangfarbenpracht und dann auch eldridgesche Eleganz und Beweglichkeit. Und Hopkins Altsaxofonspiel verrät einen ähnlich breiten Hintergrund, bei dem es nicht um die Imitation, sondern um die Fortentwicklung des Besten geht. Wie die beiden ihre Instrumente ineinander verschränken, hat nur bedingt historische Vorbilder, und dass die Band auf einen Bassisten verzichtet, ist ebenfalls ungewöhnlich. Aber Lhotzky und Mewes bilden ein derart intensives Gespann, in dem tiefe Trommeln und die linke Hand des Klaviers für eine so starke dunkle Grundierung sorgen, dass eine einzigartige Färbung entsteht. Dabei versteht sich dieses Quartett hervorragend darauf, mit geschickt geführten Melodiebögen und rhythmischen Breaks Spannung zu erzeugen und den Hörer – trotz der kleinen Besetzung – durch immer wieder neue Klangschattierungen zu überraschen. Bei ihnen fließt das Beste von dem zusammen, was von Armstrongs Hot Fives bis zum Quartett von Lionel Hampton herausragte, was Duke Ellington für den Jazz entdeckte, die Ballroom Orchester zelebrierten und die Vorläufer der Beboper anschoben. Und zwischendurch singt Dawson auch mal mit jenem herben Schmelz, der in den 1950ern den unvergesslichen Chet Baker auszeichnete. Dieser Retro-Jazz ist kein Museumsstück. Er ist quicklebendig und steckt voll wunderbarer, zeitloser Ideen.

Werner Stiefele, 16.10.2010



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