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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 4

Daniel Barenboim, Staatskapelle Berlin

Staatsoper Unter den Linden
(71 Min., 10/2008)

Wozu diese Neuerscheinung? Zwei nachvollziehbare Gründe: Einmal gehen zwei Euro vom Verkauf an die Stiftung Klima und Umwelt, die die Staatskapelle Berlin ehrenwerterweise ins Leben gerufen hat. Zum anderen hat sein derzeitiger Chef mit diesem Orchester noch keinen Bruckner eingespielt. Doch damit stellt sich erneut die Wozu-Frage. Denn Daniel Barenboim hat bereits zwei Bruckner-Zyklen veröffentlicht, in den 70ern mit dem Chicago Symphony Orchestra und in den 90ern mit den Berliner Philharmonikern.
Nun muss sich seine Staatskapelle in dieser 2008 mitgeschnittenen Live-Aufnahme der Vierten keinesfalls verstecken vor jenen (berühmteren) Kollegen, im Gegenteil: Satt und rund und mächtig klingt ihr Tutti, höchst gepflegt ihre Pianissimo-Kultur. Auch an den Solobläser-Posten gibt es nichts zu mäkeln. Gleichwohl fällt die eigentliche Antwort auf die Frage, ob nämlich diese Dritt-Einspielung eine Entwicklung, eine veränderte Bruckner-Sicht Barenboims zu erkennen gäbe (die beispielsweise auch eine Auseinandersetzung mit den heute verfügbaren Urfassungen einschließt), negativ aus. Von wenigen Tempobeschleunigungen im Scherzo abgesehen, bleibt alles beim Alten, sprich: Barenboims Bruckner ist wie eh und je ein auf romantischem Schönklang fußender Wagner-Adept mit viel Ritardandi und bombastischen Höhepunkten, ein bundesdeutscher Mittelstands-Bruckner mit viel Weihe und Breitwandbergidyll, wie man ihn schon in den Sechzigern mochte. Aber heute?

Christoph Braun, 16.10.2010



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