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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Igor Strawinski

Messe, Symphonie de psaumes, Monumentum u.a.

Königlich Flämische Philharmonie, Collegium Vocale Gent, Philippe Herreweghe

PentaTone/Codaex PTC 5186349
(51 Min., 1/2009)

Als Igor Strawinskis Psalmensinfonie 1930 in Brüssel uraufgeführt wurde, ging danach der Kollege Francis Poulenc auf die Knie, als er in seiner Besprechung konstatierte: "Die gänzliche Abwesenheit von Großsprecherei ist in diesem Meisterwerk meinem Geschmack insbesondere nahe." Die konzentrierte Kargheit, die Poulenc in diesem Glaubensbekenntnis heraushörte, hatte nicht zuletzt ihre Wurzeln in Strawinskis Rückbesinnung auf das musikalische Erbe des 18. Jahrhunderts. Und dort war es speziell Bachs Kontrapunktik, die zum Maßstab auch für Strawinskis spätere Chorwerke wurde. Im Gegensatz etwa zu der allein von der Besetzung her ausgedünnten Messe von 1948 kommt die Psalmensinfonie natürlich um einiges fleischiger und damit pathetischer daher. Je älter aber Strawinski wurde, umso radikaler wurde er in seinen Mitteln, dem Andächtigen den subjektiven Tonfall auszutreiben. In der Messe griff er dafür gar zu byzantinischen Melismen. Sein Instrumentalstück "Momentum pro Gesualdo di Venosa ad CD annum" (1960) ist eine ausgesparte Ode an die Polyfonie. Und die selten zu hörende Fassung für Orchester und Chor der Choral-Variationen von Bach über das Weihnachtslied "Vom Himmel hoch da komm ich her" ist eine strenge und zugleich würdevolle Verbeugung vor der Tradition.
Bilden auch all diese vier Werke das komplette Gegenprogramm zum tollwütigen Koloristen und Rhythmiker Strawinski, so muss man bei Philippe Herreweghe keinesfalls darben und an trockenen Schwarzbrotrinden knabbern. Mit den von der Royal Flemish Philharmonic präzise realisierten Notentexten und dem wie gewohnt auf hohem Niveau singenden Collegium Vocale Gent entdeckt Herreweghe vielmehr in dem scheinbar Statischen und Unsentimentalen eine Innigkeit, die in sinnliche Erbauung umschlägt. Herreweghes Strawinski ist so nur die konsequente Fortsetzung seiner jahrelangen Auseinandersetzung mit Bach.

Guido Fischer, 11.09.2010



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