Schon die erste Folge des Doppelabends, mit dem Londons Royal Opera House im letzten Jahr die Jubilare Purcell und Händel feierte, war etwas mau geraten: Überzeugen konnte die vor einem Vierteljahr erschienene DVD von Purcells "Dido" nur musikalisch, während die gymnastischen Zutaten, mit denen der Regie führende Choreograf die Oper ausschmückte, eher beliebig wirkten. In Händels "Acis" dagegen stimmt nicht einmal die musikalische Seite: Zwar sorgt Christopher Hogwood im Graben für einen festlich animierten Händelsound, doch bleiben ausgerechnet die beiden Hauptdarsteller unter Niveau: Christopher Workmans versteifter, intonationsunsicherer Tenor ist weit über den Acis hinaus, während die gehypte Danielle de Niese für das Koloraturgezwitscher Galateas nur einen schon etwas strapazierten Durchschnittssopran mitbringt. Die good looks, die ihr bei Rollen wie Monteverdis Poppea geholfen haben, werden dagegen durch eine dämliche Walkürenperücke zunichtegemacht. Die Comprimari sind durchschnittlich, McGregors Inszenierung bietet neben ausgestopften Tieren in etwas schäbiger Kulisse im Wesentlichen dekorativen tänzerischen Ringelpiez, der dem Stück nichts weiter hinzufügen kann. Und die fleischfarbenen Ganzkörperkondome der Tänzer wirken heute einfach nur noch verklemmt.

Jörg Königsdorf, 11.09.2010



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