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Little Big Soul

Jessica Gall

Herzog Records/Edel 1001017HER
(46 Min.)

Das warme Timbre von Jessica Galls Stimme fasziniert. Die Berlinerin, beileibe keine Jazzsängerin, hat im großen Raum der Singer/Songwriter ihren Platz gefunden – mit ein wenig Blues im Hintergrund, aber auch mit Reggae oder einem Hauch von Jazzfeeling, mit Südstaaten-Shuffles, Pedal-Steel-Gitarre, Dobro, Klavier, Elektro- und Kontrabass, Schlagzeug und einer stets schlanken Band, die ihre Songs gefühlvoll begleitet. Die kleinen Themen des Alltags treiben die Sängerin um, die Liebe, zwischendurch auch Sehnsüchte und Erinnerungen an schöne Momente und Schmerzen. Dabei bläht sie nichts zu bedeutungsschwangeren, andeutungsreichen Konstrukten auf, sondern bleibt mir klaren, trotzdem poetischen Worten erd- und realitätsverbunden. Doch gerade durch diese Konzentration entsteht jenes Gefühl von Nähe und Intimität, das Liedermacher von Schlagersängern und Singer/Songwriter von Entertainern unterscheidet. Wenn sie im letzten Titel "Little Big Soul" ihre Sehnsucht auf ein einfaches "Bring me a piece of the sky" bringt und die Platte mit einem zurückhaltenden "I know you're singing for me" beendet, dann hat sie genau dies erreicht: Sie hat für ihren Hörer von sich gesungen. Entspringt ein solcher Schluss einem Kalkül? Mag sein, und trotzdem wirkt die Produktion rundum ehrlich und überlegt.

Werner Stiefele, 04.09.2010



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