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Way Of Life

Céline Bonacina

ACT/Edel 1094982ACT
(52 Min., 2/2010)

Zierliche Französin, riesiges Männerregister-Instrument, pfiffiges Themenmaterial, komplexe, zupackende Rhythmik, prominenter Gastsolist. So könnte die Kurzcharakteristik von "Way of Life", des Einstandsalbums der Baritonsaxofonistin Céline Bonacina mit Nguyên Lê für ACT lauten, doch irgendwie hätte das eine unanagebrachte unterschwellige sexistische Komponente. Wie pflegte der selige Miles zu sagen: "The music must speak for itself!" Baritonsaxofonisten als Solisten und Bandleader sind nun einmal selten, und wenn da jemand mit Chuzpe und mächtiger Spiellust aufwartet und dabei über das gesamte Saxofonrepertoire verfügt, ist das doppelt verblüffend. Céline Bonacina leistete ihre Lehrjahre in Pariser Big Bands ab, bevor sie sieben Jahre am Conservatoire auf La Réunion unterrichtete. Von dort hat sie die Liebe zur furios komplexen Rhythmik mit in die Heimat gebracht, die ihr madagassischer Schlagzeuger Hary Ratsimbazafy zündend zelebriert. Dort hat dann der genresprengende Gitarrenstar Nguyên Lê die Musik der Saxofonistin stark geprägt. Hier ist er Koproduzent und wirkt auf vier der 13 Titel als Gast des Bonacina-Trios selbst mit. Trio ist dabei ein etwas eng gefasster Begriff, gibt es doch einige Overdubs und launige Vokal-Zuspielungen der Frontfrau und des Schlagzeugers. Neben den wenigen eher am konventionellen Jazz orientierten Nummern folgen die meisten der fetzenden Lê-Tradition. Auf Letzteren ist der fett pumpende E-Bass genau angemessen, doch bei den subtileren, jazzigen Kompositionen wirkt er nicht nur vom Timbre her, sondern auch mit seiner trögen Einfallslosigkeit irritierend deplaziert. Eine erfrischende Originalität dagegen beweist Bonacina – zum einen mit den Themen, die alle aus ihrer Feder stammen, und zum anderen in ihren virtuosen Solo-Exkursen, auch wenn da beredt in bekanntem Vokabular formuliert wird. Wohldosiert setzt sie kontrastreich auch das Altsaxofon und das Sopraninstrument ein. Eine Frau ist da am Werk, die am Beginn einer großen Solokarriere steht.

Thomas Fitterling, 04.09.2010



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