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Ludwig van Beethoven

Variationen und Sonaten für Klavier und Violoncello

Lambert Orkis, David Hardy

Dorian/Naxos DSL90910
(279 Min., 7/2008 u. 3/2009) 4 CDs

Interessante Idee: Beethovens Gesamtwerk für Klavier und Violoncello "Past & Present", also Gestern und Heute, miteinander zu konfrontieren. Das heißt, einmal im "period style", zum Andern als modernes Rezital. Ergo wechseln die Tasteninstrumente, von den zirpend-klirrenden der Beethovenzeit zu einem Steinway des "frühen 21. Jahrhunderts". Violoncello gibt es nur eines, ein Carlo Giuseppe Testore von 1694, das also noch über 100 Jahre älter ist als die Werke, das aber vom Cellisten David Hardy im "Gestern" mit Darmsaiten bespannt wird, im "Heute" mit Stahl. Vor allem der Pianist Lambert Orkis machte sich das Leben schwer: Er spielt insgesamt vier verschiedene Klaviere mit völlig unterschiedlichen Anschlagswiderständen, Mischungsgraden und Trenngenauigkeiten. Und so kann man, interessant, jedes der acht Werke mal so und mal so hören, auf insgesamt vier CDs – aber für wen ist diese Produktion konzipiert? Wer soll sie kaufen und goutieren, außer einer Handvoll Spezialisten? Lange nach dem Hören der vier Scheiben zittert diese Frage noch nach ...
Der entscheidende Einwand gegen das "Experiment" ist, dass zwar die Cellosaiten ausgewechselt wurden und die Klaviere – aber nicht die Spieler. Und so wird in der "Vergangenheit" wenig bis gar kein Vibrato gegeben und mit völlig anderen pianistischen Sonoritäten gespielt als in der "Gegenwart", aber artikulatorisch unterscheidet sich das kaum voneinander: Es bleibt hoch gepflegte Kammermusik. Jedenfalls hätte die Idee viel besser funktioniert, wenn man zum Beispiel die "Vergangenheit" mit dem holländischen Team Jos van Immerseel/Anner Bylsma abgedeckt hätte und die "Gegenwart" mit, sagen wir, dem Österreicher Friedrich Kleinhapl, der vor Jahresfrist mit Andreas Woyke am Klavier eine fabelhaft ausdrucksvolle, beethovenisch-unwirsch-wütende erste Tranche vorlegte. Damit hätte man echte Alternativen im Sinne von "Gestern und Heute" gehabt, nicht zweimal mehr oder weniger dieselbe Auffassung, nur das eine Mal gesäuselter und klirrender, das andere Mal klangrunder und sonorer. Das musikalische Leben ist eben nicht nur Stahl oder Darm, sondern auch eine Spielhaltung, die von all dem mitgeprägt wurde, was nach Beethoven noch so kam ...

Thomas Rübenacker, 31.07.2010



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