Verdis Vertonung des Dumas-Stoffes von der schwindsüchtigen Halbweltdame Violetta, die ihrer Liebe zu Alfredo aus Rücksicht auf gesellschaftliche Konventionen entsagt, ist eine der beliebtesten Opern des 19. Jahrhunderts. Der italienische Regisseur Franco Zeffirelli verfilmte "La Traviata" im Jahr 1982 in einer vielbeachteten Version – mit dabei auch Plácido Domingo in der Partie des Alfredo. Zwei Jahrzehnte später brachte Zeffirelli die Oper tatsächlich auf die Bühne, und zwar im historischen, nur 300 Plätze umfassenden Theater in Verdis Geburtsort Busseto.
Zeffirelli zaubert auf die kleine Bühne eine üppig ausgestattete Produktion, die, insbesondere in der Opulenz der Ballszenen, Erinnerungen an den Film weckt. Die räumlich begrenzten Möglichkeiten werden durch den regen Einsatz der Drehbühne geschickt aufgefangen.
Der Reiz dieser Inszenierung ist denn auch eher der historische Ort aus der Verdi-Zeit, auch wenn Verdi selbst das Theater nie betreten hat – aus Groll über den Umgang seiner Mitbürger mit seiner Partnerin Giuseppina Strepponi und der zunächst nicht legalisierten Beziehung.
Musikalisch stellt sich dieser Livemitschnitt einer harten Konkurrenz. Trotz solider Arbeit mit dem Ensemble der Toscanini-Stiftung mit dem dirigierenden Sänger Domingo am Pult, entwickelt sich nicht die flirrende Streichersüße wie zum Beispiel bei Carlos Kleiber. Unter den eher unbekannteren Solisten ragt musikalisch besonders Renato Bruson als Giorgio Germont heraus. Stefania Bonfadelli setzt die Partie der sich aufopfernden, zerbrechlichen Violetta, wenngleich stimmlich noch entwicklungsfähig, darstellerisch überzeugend um.

Peter Overbeck, 03.07.2010



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