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Ludic'

Sublime, Jun Miyake

Yellowbird/Edel 0077122YEB
(47 Min.)

Interpretennamen und Albumtitel muten wie ein Sprachmix an. Man erinnert sich: Jun Miyake ist der japanische Trompeter und Pianist, der in Paris lebt und als Komponist von konzentrierter, stimmungsgenauer Musik für Werbung, Spielfilme und Theaterprojekte gefeiert wird. "Ludic'", der CD-Titel, kokettiert mit exotischer Schreibweise mit dem lateinischen lux, macht also Lust zum Schwadronieren über "ex oriente lux", die sprichwörtliche Erleuchtung und Erneuerung aus dem Osten. Diese Sprachspielerei ist durchaus intendiert. Sublime, die Sängerin und Initiatorin des Albums, ist Französin und lebt seit 20 Jahren als Performance-Künstlerin in Tokio. Dort verzichtete sie auf ihren Vornamen, ließ sich einfach mit ihrem tatsächlich so poetisch klingenden Familiennamen rufen. Verkürzung steckt auch im Albumtitel. "Ludic'" sei eigentlich als französisch ludique zu lesen, bedeutet also "spielerisch". Das Moment des Spielerischen und eine bewusst eingenommene Distanz zum musikalischen Material zeitigte in der Zusammenarbeit des quasi doppelt heimatdistanzierten Teams mitreißend punktgenaue musikalische Miniaturen, die ihren Reiz aus einer oft auch schrägen Stilmischung beziehen. Zugegeben, das französische Chanson hat sich immer schon der verschiedensten Stile als Hintergrund bedient, man denke nur an die Arrangements bei Nougaro, Aznavour oder Ferré. Dabei galt der Primat des Wortes. Sublime geht den umgekehrten Weg: Es ist die musikalische Idee, die dann quasi spielerisch mit Wörtern bekleidet wird. Auch der Mix betont den Primat der Musik. Zum Glück sind die Texte im Booklet abgedruckt. Es offenbart sich ein ins leicht Surreale abgedrehter Witz von bester Chanson-littéraire-Qualität. Zudem hat Sublime eine äußerst wandelbare Stimme, die über eine Bandbreite von charmant-lasziv bis metallisch-klar verfügt und sich aufs Trefflichste in die kleinen, von Miyake gestalteten musikalischen Weltausschnitte der Miniaturen integriert. Mit seinen Laune machenden Tango-Abgründen und rasanten Samples, mit hinreißendem Nostalgie-Swing und Balkan-Großorchestralem könnte dieses Album mit ost-westlichen Schlaglichtern das französische Chanson erneuern.

Thomas Fitterling, 08.05.2010



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