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Sergei Rachmaninow

Klavierkonzerte Nr. 2 u. 3

Simon Trpčeski, Royal Liverpool Philharmonic, Vasily Petrenko

Avie/Musikwelt AV 2192
(75 Min., 4/2009 u. 8/2009)

Manchmal muss man die Dichter bemühen. Und sagen, dass man nicht weiß, was soll es bedeuten, warum man so traurig ist. Zumal ja eigentlich gar kein Anlass zu einer solchen Gemütshaltung bestehen kann angesichts des guten Gelingens. Aber da sind eben noch die beiden Werke, Rachmaninows Klavierkonzerte in c-Moll und d-Moll, Seelenbilder des von der Welt verwirrten Komponisten. Ein kurzer Blick hinüber zu Mozart und Beethoven, und man weiß: Schicksalstonart die eine (siehe fünfte Sinfonie), Todestonart die andere (siehe "Don Giovanni"). Und so kommt es eben, dass man diese vorliegende Aufnahme zwar wegen ihrer schlanken, transparenten, alle Nebenstimmen einbeziehenden Lesart aufs Höchste loben muss, dass man aber aufgrund der Schönheit der Formulierungen gerade in den langsamen Sätzen nicht anders als berührt (und eben traurig) sein kann. Seit Gary Graffman hat kein Pianist, so weit wir wissen, das Adagio sostenuto des zweiten Klavierkonzerts so inwendig-intim und so sehr mit Melancholie durchtränkt gespielt wie der mazedonische Pianist Simon Trpčeski es tut, darin mit wunderbar warmem und geschlossenem Klang vom formidablen Royal Liverpool Philharmonic Orchestra und seinem Chefdirigenten Vasily Petrenko unterstützt. Ein einziges Sehnen ist dieser Satz, und das wiederum wissen wir von Schubert: Sehnen ist nicht Haben. Es ist der Wunsch, dem der Zweifel beigegeben ist. Es ist die nicht verwirklichte Utopie. In dieser Einspielung kommt sie besonders deutlich zum Tragen. Aber, und das lässt alle Tränen trocknen, sie ist noch da, die Utopie – und sie leuchtet. Spät- und schwerromantisch durch und durch. Aber das ist, wenn man es nicht allzu schwülstig, nicht allzu pathetisch macht, kein allzu großes Problem.

Tom Persich, 08.05.2010



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