home

N° 1260
02. - 08.07.2022

nächste Aktualisierung
am 09.07.2022



Responsive image
Ludwig van Beethoven

Sinfonie Nr. 5 u. 6

Kammerorchester Basel, Giovanni Antonini

Sony Classical 88697 64816-2
(70 Min., 7/2008 u. 7/2009)

Kaum hat Paavo Järvi seinen Beethoven-Zyklus beendet, da begibt sich, ebenfalls unter dem Sony-Dach, Giovanni Antonini mit der Fünften und Sechsten in die Halbzeit seiner nicht minder faszinierenden Sinfonien-Exegese. Ob der Zeitpunkt den Absatz steigert? Jedenfalls beweisen beide: Heute wird der Beethoven-Altar nicht mehr mit sinfonischen Großapparaten, sondern mit schlanken, agilen, schlagkräftigen Kammerorchestern bestückt. Das "kammerorchesterbasel" scheint im Vergleich zu Järvis Deutscher Kammerphilharmonie, wenn man beide Elite-Ensembles überhaupt gegenüberstellen mag bzw. kann, noch eine Spur drahtiger, wendiger und – da lässt der Barockflötist des "Giardino armonico" grüßen – im Klangbild schärfer, bläserkonzentrierter. Die penetrant als schwergewichtige "Schicksalssinfonie" missverstandene Fünfte inszeniert der Italiener als stürmisches Florettgefecht: leichtfüßig, ungemein reaktionsfreudig, mit akkuratesten Sforzati und punktgenauen Fortissimo-Ausbrüchen. Beethoven habe in Anlehnung an seinen Zeitgenossen Jean Paul im Pathetischen das Komische, im himmelstürmenden Titanen (à la Eroica) den abgründig-skurrilen "Anti-Titanen" gesucht: Ob sich diese von Antonini und Hans-Georg Hofmann im Booklet vorgestellte Werkidee so konkret in den Noten (zumal der triumphalen Schlussapotheose) niederschlägt, sei dahingestellt. Jedenfalls ist Antoninis – wenn man so will – südländische Sicht auf dieses ganz der (Motiv-)Reduktion und dramatischen Stringenz gewidmete Werk heute weit diskussionswürdiger als die monströsen Säbelschlachten, in der sich die teutonische Seele "per aspera ad astra" mühselig emporkämpft. Apropos südländisch: Dass Antoninis Beethoven-Verständnis der "Pastorale" zugute kommt, liegt auf der Hand. Blumenzauber, duftende Wiesen, quicklebendiges Getier, zeitlos glückliches Naturidyll – solche Hörbilder stellen sich in der schwerelos-eleganten, von betörenden Legati und satten Bläserharmonien durchzogenen Klangkunst aus Basel wie von selbst ein.

Christoph Braun, 08.05.2010



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Traditions-Linien: Mit seiner „Lachrimae“-Pavane habe John Dowland nicht nur ein exzellentes Musikstück für Laute komponiert, sondern einen sinnierenden, wehmütigen und nachhorchenden Ton angeschlagen, der für mehrere Jahrhunderte im Lautenrepertoire den Stil vorgegeben hat, ist sich der baskische Lautenist Enrique Solinís sicher. So nennt er sein neues Album „Ars Lachrimae“, hat aber nicht Dowland eingespielt, sondern den Blick auf seine Nachfolger gelegt. Zwei Suiten von Johann […] mehr


Abo

Top