So ausgiebig gelacht wie beim neuen "Falstaff" wurde in Glyndebourne vermutlich schon lange nicht mehr: Beim Festspielpublikum war Richard Jones' im vergangenen Sommer herausgekommene Neuinszenierung ein Volltreffer. Ulkig geht es zu in dem Vierzigerjahre-Windsor, das Ausstatter Ultz mit viel Liebe zum Detail auf die Bühne gestellt hat, und man würde sich nicht wundern, wenn im zweiten Akt nicht Miss Quickly, sondern Miss Marple dem übergewichtigen Ritter ihre Aufwartung im heruntergekommenen Landgasthof machen würde. Hübsch ist das, und in vielen Details auch stimmig. Etwa wenn Sir John zum Rendezvous mit Alice als abgehalfterter Kolonialoffizier erscheint, oder die lustigen Weiber sich im Hinterhof des Ford'schen Anwesens zwischen Kohlköpfen treffen. Nach geistigem Mehrwert sucht man in dieser BritComedy allerdings besser nicht – und der Schluss im Wald von Windsor gerät überdies enttäuschend konventionell. Musikalisch bewegt sich die von Vladimir Jurowski unfallfrei und unauffällig geleitete Aufführung auf solidem Repertoire-Niveau, aus dem allein Marie-Nicole Lemieux' pralle Quickly und der grimmige Ford von Tassis Christoyannis herausragen. Christopher Purves, derzeit Englands führender Bassbuffo, zeigt in der Titelrolle zwar Spielwitz, bleibt jedoch sängerisch ebenso blass wie die Alice von Dina Kuznetsova.

Jörg Königsdorf, 24.04.2010



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