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Oswald von Wolkenstein

Songs Of Myself

Andreas Scholl, Shield of Harmony, Crawford Young

harmonia mundi HMC 902051
(81 Min., 6/2009) 1 CD

Seit gut 15 Jahren gilt Andreas Scholl als tonschönster Countertenor deutscher Zunge – erfolgreich im Bereich der Oper, begehrter noch fürs Oratorium, konkurrenzlos aber im Bereich von Liedern der Renaissance und des Barock. Mehrere Firmenwechsel begleiteten die Karriere bei inzwischen zwei Dutzend hervorragenden Aufnahmen. Die vorliegende ist die wiederum letzte bei harmonia mundi France (vor einer erneuten Rochade zurück zur Decca). Ganz leicht scheint es mit dem Sohn einer Deutschen Weinkönigin und Schüler von René Jacobs nicht zu sein. Er selbst verströmt noch immer den unverdrossenen Charme eines ewig jung bleibenden Studenten.
Seraphisch rein und betörend wie stets präsentiert sich Andreas Scholl gesanglich, diesmal (nach kleinen Fluchten mit Pop-Songs und buntscheckigen Konzeptalben) mit einer wirklichen Rarität: den Liedern von Oswald von Wolkenstein (um 1377-1445). Der spätmittelalterlich robuste Dichter, Sänger und kaiserliche Diplomat gilt – auch wohl aufgrund des von ihm überlieferten, zwinkernden Konterfeis – als Tiroler Spezialmysterium der humoristischen Art. Seine auf Frühneuhochdeutsch verfassten Lieder wimmeln von Derbheiten und grobianischen Kniffen. Genau davon indes bekommt der Hörer des stets glockenhellen Countertenors von Andreas Scholl eigentlich wenig mit.
Im Beiheft berichtet Scholl, am Ort der Aufnahme, der Wallfahrtskirche St. Valentin in Kiedrich, schon 1975 als Chorbube erstmals zur Messe gegangen zu sein. Dieses private Unschuldserlebnis hört man seinem Gesang an. Eben deswegen lässt die Aufnahme (trotz großen Repertoirewerts) kleinere Wünsche offen. Das Ensemble Shield of Harmony begleitet mit wunderbarer Porosität und melancholischem Flair. Übrigens bewährt sich Scholl in dem vielleicht bekanntesten Lied "Durch Barbarei, Arabia" zur Abwechslung auch als Bariton. Die CD lohnt. Doch als Ritter und Troubadour kann man sich Scholl doch nicht so recht vorstellen.

Robert Fraunholzer, 17.04.2010



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