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Dieterich Buxtehude

Sonate a due op. 1

Manfredo Kraemer, Juan Manuel Quintana, Dane Roberts, Dirk Börner

HMF/Harmonia Mundi C 901746
(62 Min., 4/2001) 1 CD

Dieterich Buxtehudes Sonate a due von 1694 tragen ein Rätsel in sich. Sie fragen: Warum sind wir sieben? Üblich war es doch, Sonaten in wohlgefälligen Packen zu drei (vollkommen wie die heilige Dreieinigkeit) oder sechs Stücken (Symbol für die Gegenwart Gottes in der Welt) zu veröffentlichen. Wollte Buxtehude, der auch die "Natur und Eigenschaft der Planeten in sieben Clavier-Suiten artig abgebildet" hatte (Johann Mattheson), etwa die sieben Wochentage in musikalische Noten bringen? Wir wissen es nicht.
Ganz deutlich können wir aber spüren, wie planvoll Buxtehude seine Sonaten für Violine und obligate Gambe angelegt hat, deren Grundtonarten in Ganztonschritten von F-Dur zu e-Moll ansteigen. Die Interpreten taten deshalb Recht daran, dass sie dem mit einer eher planvoll-distanzierten Grundhaltung Rechnung trugen. Das mag manchen provozieren, der sich besonders auf die berühmteste sechste der Sonaten in d-Moll freute: Ihre virtuosen Ausbrüche im "Stylus phantasticus", ihre formalen Brüche durch unvermittelte Tempowechsel verführen geradezu zum fetzigen "Abhotten" - oder zum Malen einer blutigen Karfreitagsszenerie.
Doch Manfredo Kraemer und Juan Manuel Quintana geht es um Deutlichkeit der Architektur, um Klarheit der Linien: Selbst in den freiesten Passagen wirkt ihr Spiel nicht improvisiert, sondern überlegt formuliert. Und in den Fugati fallen sich die Stimmen nicht ins Wort, sondern geben den Staffelstab mit knapp angedeuteter Verbeugung ab. Man kann kritisieren, dass ein formal weniger aufreizendes Stück wie die erste Sonate durch den zurückgehaltenen Affektausdruck zu sehr zum routinierten Montagsprodukt wird. Doch der Einheit des Zyklus tut es gut, ebenso wie den Strukturhörern, welche diese außerhalb der Gambenszene noch zu unbekannten Meisterwerke erst einmal genauer kennenlernen wollen.

Carsten Niemann, 14.03.2002



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