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Kosmo

Maria Markesini

Et'Cetera/Codaex KTD 6002
(66 Min., 3 und 4/09) 1 CD

Maria Markesini ist ein Naturereignis. Allein, dass diese junge Frau aus Griechenland faszinierend in die Kamera zu schauen vermag wie eine aufregende Mischung aus der noch jungen Isabelle Huppert und einer gerade erwachsen gewordenen Pippi Langstrumpf, mag ja schon eine Klasse für sich sein. Als Sängerin jedenfalls – und um dies zu beurteilen, sind wir da – geht sie glatt als größte Entdeckung seit Roberta Gamberini durch. Ihre ungeheure Ausstrahlung kommt von dieser authentischen Entsprechung von kesser Frische und fast knabenhaft silbernem Timbre, das an die frühe Joni Mitchell erinnert. Was sonst die Schar der Sängerinnen spaltet, der Gegensatz von Singen und Säuseln, ist bei ihr aufgehoben: Jeder Song klingt bei ihr mit natürlicher Intensität genau so, wie man meint, dass er klingen müsse, auch wenn man ihn schon zigmal anders gehört hat. Dabei hat Maria Markesini nicht einmal Jazz oder Gesang studiert, sondern ist eine ausgebildete Konzertpianistin, die als Sängerin eher zufällig entdeckt wurde. Für diese CD hat Produzent Bob Hagen sie mit dem hervorragenden Trio des Pianisten Bert van den Brink zusammengebracht. Er hat neben Maria Markesini den größeren Teil der durchweg aufgeweckten und gut gelaunten Arrangements geschrieben. Je nach Titel spielt er auch schon mal Akkordeon und Orgel. Als Gast ist bei drei Nummern noch der illustre Sänger und E-Bassist Richard Bona aus Kamerun zu hören. Doch da ist nichts von aufgebrezelter Bemühtheit! Die beiden agieren im Duo als beseelende Einheit. Das abwechslungsreiche Programm, das sich kraft der Persönlichkeit von Markesini zu einer stimmigen Einheit fügt, reicht von einem mitreißenden Dylan-Song über klassische Jazzballaden und griechischem Liedgut bis zu einem charmanten "C'est si bon", das einen glatt in Pariser Frühlingstaumel versetzt. Betört sucht der Finger schon die Wiederholungstaste.

Thomas Fitterling, 03.04.2010



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