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Ferruccio Busoni, Frederic Mompou, Leopold Godowsky u.a.

Hommage à Chopin

Jonathan Plowright

Hyperion/Codaex CDA67803
(79 Min., 7 u. 8/2009) 1 CD

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war der Ruf Frédéric Chopins in der Musikwelt seltsam zwiespältig: Während seine Nocturnes, Polonaisen und Mazurken gerade in Deutschland gerne als Salonmusik abqualifiziert wurden, hatte Chopin andererseits gerade auf diejenigen hoch- und spätromantischen Komponisten, die selbst als Pianisten konzertierten, einen kaum zu überschätzenden Einfluss. Von geradezu mimikryhaften Adaptionen des Chopin'schen Nocturnestils wie in den Hommagen der heute weitgehend vergessenen Böhmen Eduard Nápravník und Franz Bendel, die stellenweise an das Pianotainment eines Victor Borge erinnern, über albumblatthafte Gedankenspiele von Grieg und Tschaikowsky bis zu substanziellen Beiträgen wie den knorrigen Chopin-Variationen Ferruccio Busonis reicht die Spannweite der Auseinandersetzungen auf Jonathan Plowrights Hommage-CD. Plowrights Fokus liegt auf Raritäten: Die bekannteste Chopin-Hommage, Rachmaninows Variationszyklus, fehlt, und auch der produktivste Chopin-Verehrer Leopold Godowsky ist nur mit einer kurzen "Walzermaske" dabei. Dafür sind Honegger, Balakirew und Lennox Berkeley mit originellen Petitessen vertreten, die teils auf Initiative der Unesco zur Feier des 100. Komponisten-Todestags entstanden. Am Hauptwerk der Kollektion, den kunstvoll introvertierten Chopin-Variationen des Katalanen Frederic Mompou, zeigt sich allerdings, dass Plowright zwar ein gewandter, aber doch kein außergewöhnlicher Pianist ist: Mit der Klangmagie und Räumlichkeit, die der Komponist in seiner Aufnahme entfaltete (Brilliant Classics), kann der dezente Brite nicht konkurrieren.

Jörg Königsdorf, 20.03.2010



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