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Ludwig van Beethoven

Klavierkonzerte Nr. 4 u. 5

Till Fellner, Sinfonieorchester Montreal, Kent Nagano

ECM/Universal 476 3315
(62 Min., 5 u. 11/2008) 1 CD

Mit einer kantigen, angriffslustigen Einspielung der Beethoven-Klavierkonzerte Nr. 1 und 3 gab Till Fellner vor gut 15 Jahren sein CD-Debüt – ein vielversprechender Start, dem leider bisher keine Fortsetzung beschert war. Die kommt aber jetzt und zeigt, dass aus dem forschen Twen ein nachdenklicher Enddreißiger geworden ist. Lyrischer, zartfühlender dürften die beiden Werke nur selten eingespielt worden sein. Fellner nimmt sich Zeit, Melodiebögen zu spinnen und sich Skalen durch die Finger gleiten zu lassen. Das G-Dur-Konzert spielt er introvertiert, mit leichtem, fein gewichtendem Anschlag, und lässt sich selbst in den rezitativischen Aufwallungen des langsamen Satzes nicht zu pathetischem Auftrumpfen hinreißen. Dennoch entsteht nirgends der Eindruck nivellierender Weichzeichnerei, weil Fellner die Akzente in der linken Hand markant artikuliert. Das Tänzerische der Finalsätze wirkt so eher vergeistigt – selbst das heroische Es-Dur-Konzert endet hier nicht in einem munteren Kehraus, sondern sublimiert eher den Gedanken von Bewegung. Ein stimmiger Ansatz, der jedoch eines dramatischen Gegenpols bedurft hätte, um die nötige Fallhöhe zu erreichen. Den bieten Kent Nagano und sein kanadisches Orchester leider nicht: Statt den Solisten herauszufordern, weicht Nagano selbst zurück und bietet mit getragenen Phrasen und wattigem Klangbild konfliktfreien Beethoven. Da hätte mehr draus werden können.

Jörg Königsdorf, 20.03.2010



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