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Johannes Brahms

Klavierkonzert in D-Dur nach dem Violinkonzert

Dejan Lazić, Atlanta Symphony Orchestra, Robert Spano

Channel Classics/harmonia mundi CCS 29410
(66 Min., 10/2009) 1 CD

Johannes Brahms hat, da begeht die Musikgeschichte keinen Irrtum, zwei Klavierkonzerte geschrieben. Eines in d-Moll, eines in B-Dur. Beide sind, wiewohl unterschiedlich in Anschauung, Struktur und Klanglichkeit, durch und durch bedeutsame, im wahrsten Sinne des Wortes (schwer)gewichtige Werke, denen im Grunde nichts hinzuzufügen ist. Monolithisch thronen sie inmitten des 19. Jahrhunderts, von nichts und niemandem übertroffen (auch danach nicht). Nun aber haben sie, ganz unvermittelt, eine Schwester erhalten. Sie kleidet sich in D-Dur und ist eigentlich und ursprünglich ein Werk für Violine und Orchester. Kein Geringeres als das Opus 77 desselben Komponisten, ein faszinierendes, schillerndes Werk. Brahms selbst aber kann nun nicht mehr widersprechen. Und so hat Dejan Lazić sich anheischig gemacht, eben dieses Opus zu bearbeiten. Ein kühnes Unterfangen, so ungewöhnlich wie gewöhnungsbedürftig. Allzu schwer krachen da die ersten Oktaven nach gut zweieinhalb Minuten auf unsere Ohren hernieder, und will sich auch in der Folge das Gefühl nicht verflüchtigen, der von Lazić eigenhändig, -sinnig und -mächtig organisierte Klaviersatz verändere das Verhältnis zwischen Solopartie und Orchester doch allzu sehr und zuungunsten der Transparenz und Balance. Nach und nach beschleicht den Hörer dann aber die Wahrnehmung, es handle sich hierbei womöglich doch nicht um eine Scharlatanerie seitens des jungen kroatischen Himmelsstürmers. Die vollgriffige Partitur mit ihrer wie stets bei Brahms opulenten, quasisinfonischen Konzeption lässt zumindest die Idee eines Arrangements als halbwegs logisch erscheinen, und in einigen Passagen singt das Klavier tatsächlich so schön wie eine Violine (und ebenso ausgreifend und inniglich wie das Atlanta Symphony Orchestra unter Robert Spano es ohnehin die ganze Zeit über tut). Was nicht zuletzt auf das immense pianistische Können des Interpreten verweist. Welches dieser postwendend bestätigt – mit dem furiosen es-Moll-Scherzo und den beiden Rhapsodien op. 79. Übrigens sind diese Piècen auch ganz und gar original für Klavier.

Jürgen Otten, 20.03.2010



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