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Georg Friedrich Händel

Opernarien für Mezzosopran

Max Emanuel Cencic, Chor des Schweizer Rundfunks, I Barocchisti, Diego Fasolis

Virgin Classics/EMI 694 5740
(64 Min., 7/2009) 1 CD

Man muss es wohl als strategischen Wiederangriffstrick von Max Emanuel Cencic ansehen, wenn er sich neuerdings "Mezzosopran" nennt. Viele Maestri innerhalb der territorial scharf aufgeteilten Alte-Musik-Szene bevorzugen diesen (bislang weiblichen) Sängertypus. Cencics Höhensicherheit ist ungebrochen, seine Tiefe hat an Geschmeidigkeit und Weichheit sogar noch dazugewonnen. Während Philippe Jaroussky immer soubrettiger klingt, David Daniels kaum noch vorkommt und Andreas Scholl auf Opern anscheinend keine Lust hat, darf Cencic heute als der (neben Bejun Mehta) beste Bühnen-Countertenor (oder eben: männlicher Bühnen-Mezzo) gelten. Sein fulminantes Händelalbum bestätigt es.
Die Springflut von Händel-Arienalben, die in den letzten Jahren über uns herniedergegangen ist, lässt Cencic durch seine unerschöpflich brillante, seelenvoll leuchtende und virtuos überschnappende Sammlung vokaler Preziosen in anderem Licht erscheinen. Man merkt hier, dass einzelne Arien des Meisters turmhoch über das Niveau seiner Werke hinausragen. Bei deren Erkundung freilich entfernt sich Cencic weit von bekannten Pfaden. Neben Vokalgranaten aus "Agrippina", "Radamisto" und "Serse" ("Se bramate d'amar") bestaunt man hier blutrote Karfunkel des entlegenen "Amadigi di Gaula", der sonst schwachen "Arianna in Creta", aus "Imeneo" und "Floridante". Sogar die Serenata "Parnasso in festa" kommt mit zwei der hier schönsten Arien zu neuen Ehren.
Die Firma Virgin entwickelt sich wegen konkurrenzloser Countertenor-Dichte immer mehr zum vokalen "Käfig voller Narren". Dennoch oder gerade deshalb begeistert diese CD durch die Frische und Energie, mit der Cencic auf ein Repertoire losstürmt, als sei es das erste Mal. An Hingebung und lyrischer Verinnerlichung, butterzart begleitet von Diego Fasolis, macht ihm dies gegenwärtig keiner nach. Obwohl dieses Album eine Summe aus langen Jahren der Händel-Erfahrung darstellt, klingt's wie ein Neuanfang.

Robert Fraunholzer, 13.03.2010



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