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Sonny Rollins – Saxophone Colossus

Robert Mugge

BHM/Zyx BHM DVD 07
(100 Min., 1986) 1 DVD

Sonny Rollins, der größte lebende Improvisator des Jazz, feiert im September seinen 80. Geburtstag. Dazu passend ist Robert Mugges Dokumentarfilm "Saxophone Colossus" von 1986 jetzt als DVD erschienen. Mugge nähert sich Rollins anhand zweier Auftritte des Tenorsaxofonisten aus dem Entstehungsjahr des Films: Ein Open-Air-Konzert in Harvey, N.Y., zeigt ihn als den vitalen, überragenden Improvisator, und die Uraufführung des Concerto for Tenor Sax and Orchestra in Tokio beleuchtet die spezifisch Rollins'sche Kunst der thematischen Improvisation. Zum Concerto lieferte Rollins die Motivskizzen – ausgearbeitet, orchestriert und schließlich dirigiert hat es der Finne Heikki Sarmanto. Im Gegensatz zu dem eher banalen Ergebnis sind die Aufnahmen der gemeinsamen Proben von Rollins und Sarmanto durchaus spannend. Hier wie überhaupt ist Prinzip des Films, auf Kommentare aus dem Off zu verzichten. Die Wortbeiträge vollziehen sich vor der Kamera: Die ausführlichen Erklärungen von Rollins selbst, ergänzt durch Interventionen seiner Frau, die Ausführungen Sarmantos, und schließlich die Analysen der Kritiker Ira Gitler, Gary Giddins und Francis Davis. Bemerkenswert, dass Rollins einst glaubte, mit seinen Soli die Welt verändern zu können, und der sich nun damit begnügt, dem Publikum Freude zu bereiten. Ira Gitler erwähnt kurz und diskret Rollins' bewunderswerte Überwindung seiner Drogensucht und Francis Davis verweist auf das Paradoxon, dass es Rollins nie gelungen sei, eine seinem Genie entsprechende Band zu organisieren. Er überrage vielmehr immer alle als Improvisationstitan. Das Combo-Konzert bestätigt diese Beobachtung: Nicht enden wollend türmt Rollins seine Soli zu Kolossalbeiträgen, der Posaunist ist Staffage und nur bei den Themenexpositionen aktiv, der Pianist sorgt nimmermüde dienlich für Akkordunterfütterung, der ewig treue E-Bassist pumpt permanent treuherzige Linien, allein Marvin "Smitty" Smith am Schlagzeug ist ein befördernder Widerpart. Sonny Rollins ist und bleibt unangefochten der Tenorgigant, den wohl nie mehr ein Produzent in eine Traumband einbinden wird – die es punktuell projektbezogen ja durchaus mal gab.

Thomas Fitterling, 13.03.2010



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