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The Four O'Clock Session

Patrick Bebelaar, Joe Fonda, Mike Rabinowitz

dml records/Fenn Music DML 032
(51 Min., 05/2009) 1 CD

Erinnern wir uns an die Zeiten des Fluxus. Da hatte ein Kunstwerk eine Anfangszeit und ein Ende, und was übrig blieb, taugte zur Dokumentation. Der Moment war das Entscheidende, die Verwirklichung zuvor gefasster Ideen, und die spontane Umsetzung war die Kunst. Daran erinnert – augenzwinkernd auch der Name der CD, "The Four O'Clock Session", denn während in den 1960ern die Grenze zwischen Scharlatanerie und Können oft kaum wahrnehmbar war, dominieren bei den instrumentalen Begegnungen des Trios der Wille und die Fähigkeit zu Koordination, sich selbst einstellender Struktur und intensiver Kommunikation. Bebelaar, ein improvisierender Musiker mit Wurzeln in Jazz, Ernster Musik und einem individuellen Konzept der Fusionen aus E und U, fand in Joe Fonda und Mike Rabinowitz ähnlich denkende Partner – Fonda hat zusammen mit dem Saxofonisten Anthony Braxton Genregrenzen überwunden, und Rabinowitz zählt zu New Yorks stiloffensten Fagottisten, auf dessen Künste sowohl der swingende Purist Wynton Marsalis als auch der Klangerneuerer Dave Douglas zurückgreifen. Bei diesen drei kann sich aus Klangsprengseln eine swingende "Discussion" mit Slap-Bass, groovendem Piano und in Melodien taumelndem Fagott entwickeln, kann sich aber auch eine Bläser-Kantilene von harmonischem Wohlklang umfangen lassen oder "Scheherazade's Dream" von einer orientalisch anmutenden Melodie mit geräuschhaften Klaviersounds zu orgiastischem Ensemblespiel steigern. Wie diese drei Musiker Isolation und Vereinigung, Begegnung und Entfernung, Freiheit und Struktur zu neun packenden Stücken kombinieren, ist hörenswerter Post-Fluxus von reifen Könnern. Die Schlussnummer, eine neue Version von Bebelaars Lieblingsthema "Natuschka's Song", wirkt wie eine herzliche Liebeserklärung. Danach sollte man noch nicht abschalten, denn nach einer längeren Pause folgt noch ein hidden track.

Werner Stiefele, 13.02.2010



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