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Bach and More

Volker Braun

Auris subtilis/AL!VE 7771038
(52 Min., 2009) 1 CD

In den letzten 30 Jahren hat sich ein glücklicher Wandel in den Hörgewohnheiten der Klassik- und der Jazzgemeinde vollzogen – und das besonders bei den Musikern: Hörend wird die Sprache der anderen verstanden – doch erst allmählich wird von den einen das Idiom der anderen auch aktiv akzentfrei beherrscht. Volker Braun gehört zu diesen perfekt bilingualen Wandlern zwischen den Welten. Er spielt die Solo-Oboe in der Robert-Schumann-Philharmonie in Chemnitz und ist gleichzeitig mehrfach ausgezeichneter Jazzpianist. Jetzt legt er eine CD vor, die beide Facetten seines Schaffens präsentiert. Der Bezugspunkt ist Johann Sebastian Bach, insbesondere dessen Solopartiten und -suiten. Für Braun sind sie im Prinzip notierte Improvisationen. Und als solche interpretiert er sie mit authentischem Gestus auf der Oboe oder im Falle der Suite G-Dur BWV 1007 als Bearbeitung auf dem Englischhorn. Diese Solovorträge kontrastiert er, zum Teil in direkter Gegenüberstellung der gleichen Stücke, mit Interpretationen seines Jazztrios. Bemerkenswert ist, dass er sich dabei von einer notengetreuen Play-Bach-Attitüde distanziert, sondern vielmehr Motivelemente der Bach'schen Vorlage in genuine Jazzthemen überführt und diese originell in klassisch moderner Klaviertrio-Tradition abhandelt. Das klingt mehr nach Tommy Flanagan und Kenny Barron als nach Bill Evans oder Marc Copland. Voller Finesse sind die Arrangements, und in Andreas Buchmann am Bass und Heiko Jung am Schlagzeug hat er sensibel kongeniale Mitmusiker. Schlüsselwort ist immer Authentizität – und wie Volker Braun perfekt in beiden Sprachen seiner Liebe zum Barock Ausdruck verleiht, macht den besonderen Reiz dieser Produktion aus.

Thomas Fitterling, 06.02.2010



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