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Maurice Ravel

Orchesterwerke

Rotterdamer Philharmoniker, Yannick Nézet-Séguin

EMI Classics 966 342-2
(62 Min., 6/2007) 1 CD

Das Tempo, mit dem Dirigenten Weltkarriere machen können, war noch nie so hoch wie heute: Innerhalb von nur drei, vier Jahren ist der Franko-Kanadier Yannick Nézet-Séguin zu einem der begehrtesten Dirigenten geworden und hat 2008 Valéry Gergiev an der Spitze des Rotterdam Philharmonic Orchestra beerbt, noch bevor der durchschnittliche Klassikinteressent überhaupt Gelegenheit hatte, sich seinen Namen zu merken. Von einer überstürzten Karriere kann allerdings keine Rede sein: Wie schon sein Dirigat von Gounods "Roméo et Juliette" bei den Salzburger Festspielen 2008 zeigt auch Nézet-Séguins erste CD im Rahmen seines EMI-Vertrags den heute 34-Jährigen als einen ausgereiften Maestro mit starker Musikerpersönlichkeit. Bei den Orchesterwerken Maurice Ravels bewahrt er die Oberflächenpolitur, tut aber zugleich einen Blick hinter die spiegelglatte Klangkulisse: Dank etwas langsamerer Tempi und einer stärkeren Konturierung erweisen sich die künstlichen Paradiese Ravels als brüchig, sind Seifenblasen, die langsam herabschwebend kurz vor dem Zerplatzen zu stehen scheinen. Die Zeit der "Valses nobles et sentimentales" beispielsweise scheint für ihn vorbei zu sein – die Miniaturen vereisen hier in nostalgischer Schönheit, klingen nur noch wie das Echo einer untergegangenen Zeit. Bei "La Valse" dagegen ist die Bedrohung durch die bissfest artikulierenden Kontrabässe schon von Anfang an präsent – dem edelschlaffen Walzerrhythmus steht bei Nézet-Séguin die motorische Energie der Moderne gegenüber, ohne dass das Stück deshalb an Klangreiz verlöre. Ähnlich die zweite Suite aus "Daphnis et Chloé", wo selbst im Bläsergeflirr der Morgenstimmung eine Tiefenströmung das Geschehen unerbittlich vorantreibt.

Jörg Königsdorf, 23.01.2010



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