Verständlich, dass die Decca zugriff, als im Januar 2008 Juan Diego Flórez und Joyce DiDonato für einige "Cenerentola"-Vorstellungen in Barcelona zusammentrafen: Der König der Rossini-Tenöre und sein weibliches Pendant – was sollte bei diesem Belcanto-Gipfeltreffen anderes herauskommen als eine neue Referenzaufnahme? Natürlich singen die beiden Stars fantastisch: Flórez erntet für seinen mit hocharistokratischer Bravour absolvierten Liebesschwur "Si, ritrovarla" minutenlangen Applaus und DiDonato legt schon im langsamen Teil von Cenerentolas Finalrondo mächtig Verzierungen und blitzsaubere Triller auf. Und doch bleibt das Herz bei diesem Märchen kalt: Während man Frederica von Stade und Francisco Araiza in der alten Ponnelle-Inszenierung (DG) Liebe und Enttäuschung wirklich glaubt, wird in der knallbunten Spielzeugland-Inszenierung des katalanischen Komikers Joan Font alles nur gespielt: hoch professionell, aber etwas frostig. Wie oft bei den Mitschnitten aus Barcelona ist das Drumherum zwar ordentlich, aber nicht so gut, wie es für eine Aufnahme sein sollte. Im Vergleich mit Ponnelles Luxusbesetzung (Desderi, Montarsolo, Plishka) hält sich die vokale und darstellerische Komik der katalanischen Ensemblekräfte in Grenzen, und Patrick Summers trifft am Pult des reichlich spiellahmen Liceu-Orchesters nur selten einen überzeugenden Rossini-Pulsschlag. Für eine Spitzenaufnahme braucht es eben doch mehr als zwei Stars.

Jörg Königsdorf, 16.01.2010



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